Der risikofreie Zins: Warum er so wichtig ist

Zuletzt aktualisiert am 07 Februar 2021 von Reza

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Der risikofreie Zins - Risk Free Rate of Return

Insbesondere Menschen, die ihre ersten Schritte mit Geldanlagen machen, tun sich oft schwer damit das Risiko einer Geldanlage zu bestimmen.

Das führt im Alltag oft zu Dramen.

Ein Flugzeug als Beteiligungsanlage zum Beispiel. Wie riskant kann das sein?

Das Flugzeug ist über Jahre an die Fluggesellschaft vermietet und die Preise, die sich für genutzte Flugzeuge erzielen lassen, sind gut abschätzbar.

Was soll da schiefgehen? Eine sichere Sache mit einer erwarteten Rendite von 8%.

Oder?

Um darüber in kürzester Zeit urteilen zu können, muss Du nur die Risk Free Rate of Return verstehen.

Die Risk Free Rate of Return verstehen

Bei der Risk Free Rate of Return (Risikofreier Zinssatz) handelt es sich um eine risikolose Geldanlage.

Die Rendite wird also ohne Risiko erzielt.

In der Praxis werden die Renditen von Staatsanleihen als Risk Free Rate of Returns verwendet. Dabei wird von den Staaten erwartet, dass sie eine hohe Kreditwürdigkeit haben.

In den USA werden konsequenterweise die U.S Treasury Bills verwendet.

Während in Europa vor allem die Renditen von deutschen Staatsanleihen (Bunds) als risikofreier Zinssatz verwendet werden.

Staatsanleihen haben immer unterschiedliche Laufzeiten.

Manchmal werden die sehr kurzfristigen Renditen für 3 Monate verwendet. Genauso kommen aber auch die 2-jährigen, 5-jährigen oder 10-jährigen Renditen zur Anwendung.

Ein Investor würde daher eine andere Geldanlage im Vergleich zu der risikolosen Geldanlage nur akzeptieren, wenn diese eine höhere Rendite erwarten lässt.

Eine Geldanlage, die zum Beispiel 3 Jahre läuft, und weniger Rendite erwarten lässt als der risikofreie Zinssatz über 3 Jahre, erscheint nicht sinnvoll.

Du kannst Dir also den risikofreien Zinssatz als Minimumrendite vorstellen.

Im finanzwissenschaftlichen Studium ist die Risk Free Rate of Return Grundbestandteil von vielen Bewertungsmodellen. 

In der Praxis ist nichts risikofrei

Eventuell wirst Du es Dir bereits gedacht haben.

In der Praxis sind nämlich auch Staatsanleihen, selbst von den sichersten Nationen, nicht risikofrei.

So führt die hohe Verschuldung der USA gemessen an ihrem Bruttosozialprodukt schon seit einigen Jahren zu vielen Kontroversen.

Hinzukommt noch das Inflationsrisiko und das Kursverlustrisiko auf Grund von steigenden Zinsen (die Kurse von Staatsanleihen fallen, wenn die Zinsen steigen).

Ebenso können weitere Risiken aus dem Währungsrisiko resultieren. Ein Investor aus Deutschland, der in US-Dollar investiert, muss sich mit den Euro/Dollar-Schwankungen Währungsrisiko auseinandersetzen.

Diese Überlegungen wurden beim risikofreien Zins nicht vergessen.

Unter allen Geldanlagen bleiben aber Staatsanleihen von Staaten mit einer hohen Kreditwürdigkeit, nach wie vor die sichersten Geldanlagen.

Deswegen werden sie auch weiterhin verwendet.

Wie Du die Risk Free Rate of Return findest

Die Risk Free Rate of Return lässt sich auf verschiedenen Wegen feststellen.

Manche Analysten nutzen ausschließlich Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten. Andere hingegen bilden einen (gewichteten) Index aus Unternehmensanleihen von Unternehmen, die als “too big to fail“ gelten (die also auf Grund ihrer größe nicht pleite gehen können).

Jeder Ansatz hat dabei Vor- und Nachteile.

Der vermutlich einfachste Ansatz ist es, sich die Renditen der jeweiligen Staatsanleihen herauszusuchen.

Risk Free Rate Germany (Deutschland)

Als Risk Free Rate für Geldanlagen in Deutschland werden in der Regel die Renditen von deutschen Staatsanleihen herangezogen.

Die Renditen von deutschen Staatsanleihen lassen sich sehr einfach finden. Auch ohne teure Software oder Datenpakete.

Die Bundesbank veröffentlicht auf dieser Seite Kurse und Renditen börsennotierter Bundeswertpapiere jeden Monat eine Übersicht zu den einzelnen Staatsanleihen.

Entscheidest Du Dich zum Beispiel grundsätzlich nur die Renditen von Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu 3 Monaten zu verwenden, würdest Du derzeit folgende Zahlen finden.

Rendite von Staatsanleihen mit einern Laufzeit von 3 Monaten

Du könntest also an der Stelle -0,77% als Risk Free Rate für Deutschland (bzw. Geldanlagen aus dem Europäischen Wirtschaftsraum) festlegen.

Warum die Risk Free Rate of Return so wichtig für Dich ist

Wenn Du den Artikel Schritt für Schritt gelesen hast, so wird Dir vermutlich bereits klar geworden sein, weshalb der risikofreie Zins so wichtig für Dich ist.

Der risikofreie Zinssatz bildet die Grundlage für alle Bewertungsmodelle im Finanzbereich. Selbst die einfachsten Aktienbewertungsmodelle (wie z. B. das Dividend Discount Model) kommen nicht ohne die Risk Free Rate aus.

Stell es Dir im Grunde so vor, dass Du irgendeinen ersten Anhaltspunkt benötigst, um eine Geldanlage bewerten zu können.

In diesem Zusammenhang kann Dir der risikofreie Zinssatz auch dabei helfen sofort zu verstehen, wie riskant eine Geldanlage sein muss.

Wenn die Zinsen für kurz- und mittelfristige deutsche Staatsanleihen sogar negativ sind, das heißt, die Anleger sind bereit sogar für risikolose Geldanlagen draufzuzahlen, dann kann eine Geldanlage, die Dir mehr Rendite bringt nur riskanter sein.

Sonst würde das Ganze kein Sinn machen.

Desto mehr Rendite ein Investment Dir im Vergleich zur Risk Free Rate of Return bringt, desto riskanter ist sie.  

Negative Renditen als Folge der europäischen Schuldenkrise

Eine Konsequenz der europäischen Schuldenkrise waren negative Renditen bei Staatsanleihen von Ländern, die eine besonders hohe Kreditwürdigkeit haben.

Zum Beispiel Deutschland und die Niederlande.

Die europäische Schuldenkrise im Jahr 2012 ging von Griechenland aus und es bestand die Gefahr, dass sie sich auf weitere Länder ausweitet. Insbesondere Italien war im Fokus.

In der Folge floss sehr viel Geld von als weniger sicher geltenden europäischen Staatsanleihen und Banken in als sehr sicher geltende europäische Staatsanleihen.

Die Nachfrage nach Staatsanleihen, die als sicher gelten wurde so groß, dass die Renditen immer weiter sanken und teilweise in der Folge sogar negativ wurden.

Wichtig in dem Zusammenhang ist für Dich zu verstehen, was das eigentlich bedeutet.

Es bedeutet, dass die Anleger bereit sind, so viel für Sicherheit zu bezahlen (also, dass sie ihr Geld nicht verlieren), dass sie dafür auf positive Renditen verzichten.

Nein, sie legen sogar drauf.

Während das anfangs noch als Phänomen bezeichnet wurde, zeigte sich schnell, dass wir uns an negative Renditen im Europäischen Wirtschaftsraum gewöhnen müssen.

Zum aktuellen Stand (September 2020) hat sich die Situation nicht verändert.

Damit befindet sich das Konzept des risikofreien Zinses sozusagen an einem Extrempunkt.

In der Praxis führt das zu einigen Probleme, da viele Bewertungsmodellen mit negativen Renditen nicht funktionieren. Oft wird daher die Risk Free Rate auf 0% gesetzt.

0% bedeutet dann in diesem Zusammenhang, dass Du einfach keine Rendite für risikolose Geldanlagen erhältst.