Portfolio Aufbau: 7 Merkmale eines gut ausbalancierten Aktienportfolios

Zuletzt aktualisiert am 07 Februar 2021 von Reza

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Portfolio Aufbau eines gut ausbalancierten Aktienportfolios

Du hast Dir ein Aktienportfolio zusammengestellt und fragst Dich, ob Du gut aufgestellt bist?

Gerade beim Aufbau eines Aktienportfolios solltest Du bereits zu Beginn auf ein paar Punkte achten.

Danach solltest Du in regelmäßigen Abständen, zum Beispiel quartalsweise oder halbjährlich, Dein Portfolio überprüfen.

Portfolio Aufbau - 7 wichtige Merkmale

1. Die erwartete Portfolio Performance entspricht dem Anlageziel

Dieser Punkt versteht sich eigentlich von selbst und wird dennoch oft vernachlässigt.

Aktien durchlaufen in ihrem Leben verschiedene Zyklen.

So kann es sich am Anfang um ein kleines Unternehmen handeln, das stark wächst mit einem Umsatzwachstum von mehr als 50% jährlich.

Mit der Zeit sinkt das Umsatzwachstum, die Kosten sinken, die Gewinne werden kalkulierbarer.

Aus der Wachstumsaktie wird ein stabiles Großunternehmen, dass eben weniger Rendite erwarten lässt.

Was bedeutet das für Dich?

In Abhängigkeit Deiner aktuellen Anlagestrategie wirst Du eine Entscheidung treffen müssen. Ist zum Beispiel Dein größtes Ziel, so viel Rendite wie möglich zu erzielen, so solltest Du eventuell über einen Kauf nachdenken.

Denn, die Aktie verspricht Dir nicht mehr die Performance (Rendite), die Du erreichen möchtest.

Umgekehrt solltest Du eventuell bei einzelnen Wachstumsaktien über einen Verkauf nachdenken, wenn Du Dein Portfolio etwas konservativer ausrichten möchtest.

2. Das Portfolio diversifizieren, aber nicht überdiversifizieren

“Diversification is the only free lunch.”

Dies ist vermutlich das berühmteste Zitat, wenn es um das Diversifizieren eines Portfolios geht.

Geprägt wurde das Thema maßgeblich von Harry Markowitz, der dafür auch einen Nobelpreis erhielt.

Falls der Begriff Diversifizieren Dich verwirrt, es geht einfach um die Streuung Deiner Vermögenswerte.

Nach Markowitz ist es möglich, das unsystematische Risiko durch Diversifikation zu senken. Das systematische Risiko hingegen lässt sich nicht vermeiden.

Moment, unsystematisches und systematisches Risiko, was soll das sein?

Also, das Risiko Deines Aktienportfolios lässt sich durch Streuung nur bis zu einem gewissen Punkt senken.

Mit nur einer Aktie im Aktienportfolio hast Du ein hohes (Einzel-)Risiko, fügst Du mehrere Aktien hinzu, wird sich das Portfoliorisiko insgesamt verringern. Vorausgesetzt, die Aktien verhalten sich unterschiedlich zueinander (mal steigt eine Aktie, mal fällt die andere).

Jetzt wäre es natürlich schön, wenn Du die Aktien so auswählen könntest, dass das Aktienportfolio immer steigt.

Das geht leider nicht (Du kannst es aber gerne mal ausprobieren...).

Du wirst kein Aktienportfolio finden, das sich so verhält. Das ist also das systematische Risiko – Es wird immer ein gewisses Risiko bleiben.

Du kannst aber das unsystematische Risiko, also das Risiko das sich aus hohen Einzelwertpositionen ergibt, senken.

Gut, jetzt ist die Frage, wie viele Aktien brauchst Du dafür?

Die Meinungen hierzu gehen sehr weit auseinander, aber typischerweise kannst Du das unsystematische Risiko bereits mit 15 bis 20 Aktienpositionen stark verringern.

Das heißt, Du solltest wenigstens 15 Aktien im Portfolio haben, um Dich selbst nicht zu stark dem unsystematischen Risiko auszusetzen.

Oder anders formuliert, es ist natürlich erfreulich, wenn Du gerne in Aktien investierst, aber ab 20 und mehr Aktien wirst Du Dich fragen müssen, welchen Mehrwert das für Dich hat.

Mit jeder Aktie steigt auch Dein Aufwand, das Aktienportfolio zu verwalten.

Die erfolgreichsten Aktieninvestoren aller Zeiten raten zum Beispiel davon ab, zu viel zu diversifizieren, denn zu viel Diversifikation kann eben auch Rendite kosten.

3. Die Mindestkapitalstreuung von 5% je Aktie wird strikt eingehalten

Dieses Merkmal knüpft an das vorherige Merkmal an.

Du solltest strikt darauf achten, dass einzelne Aktien, relativ zu den anderen Aktien, nicht zu groß werden.

Sicherlich ist es super erfreulich, wenn eine einzelne Aktie sehr stark an Wert gewinnt.

Wenn die Aktie dann aber 10%-15% vom Gesamtportfolio ausmacht, kann das zu sehr schmerzhaften Erlebnissen führen, sollte ein unvorhergesehenes Ereignis eintreten.

Ein Beispiel gefällig?

Der Skandal um Wirecard in diesem Jahr ist ein perfektes Beispiel.

Es dauerte auch nicht lange, dann gab es die ersten Presseartikel über Anleger, die mal eben einen großen Teil ihrer Rentenvorsorge verloren haben.

Das ist super bedauerlich

Noch bedauerlicher ist in dem Zusammenhang, dass bei diesen Meldungen immer wieder vergessen wird, darauf einzugehen, was die einzelnen Anleger daraus lernen können.

Die 5%-Regel ist daher keine weiche Regel und sollte von Dir sehr ernst genommen werden.

Einen Totalverlust von 5% auf das Gesamtportfolio tut weh – lässt sich aber mit einem guten Börsenjahr sehr einfach aufholen.

Nehmen wir mal an, Du hast 5% von 100% verloren. Dann bleiben von Deinem ursprünglichen Kaptal noch 95% übrig.

Dann brauchst Du also 5,2% Rendite aus deinen anderen Aktien, um Deinen Verlust wieder reinzuholen (95% x 105,26% = 100%).

Wie wir in unserem Aktien Guide gezeigt haben, liegen die Jahresrenditen beim S&P 500 bei ca. 10% jährlich (beim DAX sind es eher 8%) 

So einen Verlust kannst Du also ganz locker wieder aufholen.

Komischerweise wird diese Regel oft vernachlässigt, dabei ist sie sehr simpel und super wichtig.

4. Das Kapital verteilt sich auf mehrere Sektoren und Länder

Dieses Merkmal ist ebenfalls sehr wichtig und wird ebenfalls sehr oft vernachlässigt.

Hier geht es ganz einfach darum, dass Du darauf achtest, dass kein Sektor oder Land einen erdrückenden Einfluss auf Dein Portfolio hat.

Das machen wir auch am besten an zwei Beispiele Dir deutlich.

Die Dotcom-Blase im Jahr 2000 hat viele Anleger kalt erwischt (und danach haben sie nie wieder Aktien angefasst).

Viele Aktienportfolien waren sehr stark in den Technologie- und Kommunikationssektor investiert (teilweise mit bis zu 100%).

Die Finanzkrise im Jahr 2008 hingegen hat Banken und Versicherungen hart getroffen.

Auf Grund neuer Finanzinnovationen träumten Banken plötzlich von Eigenkapitalrenditen von über 25%. Das Ende ist bekannt und dennoch waren in den vorangegangenen Jahren viele Anleger (auch Profianleger) viel zu stark in den Finanzsektor investiert.

Wenn Dein Aktienportfolio zu stark in einen Sektor engagiert ist, kann Dich also eine harte Krise überdurchschnittlich treffen.

Das Ganze lässt sich derzeit (Oktober 2020) am Tourismus- und Reisesektor (Corona-Virus) wieder beobachten.

In dem Zusammenhang darfst Du Dir aber auf keinen Fall nur die Sektoren ansehen. Die Länder spielen auch eine wichtige Rolle.

Unter Exchange Traded Funds wird immer wieder der MSCI World als Basisinvestment gefeiert. Schauen wir uns doch mal die Zusammensetzung des MSCI World Indexes nach Sektoren und Ländern an. Auf dieser Webseite von MSCI wird der Index vorgestellt. Du findest dort auch immer das aktuelle Factsheet unter diesem Link.

MSCI World Index Sektoren und Ländergewichtung

Quelle: Factsheet MSCI World Index

Die Sektoren sind soweit in Ordnung. Allerdings siehst Du sehr schnell, dass die USA mit ca. 66% ein extrem hohes Gewicht einnehmen.

Daher neigen viele ETF-Anleger dazu, den MSCI World mit dem MSCI Europe zu kombinieren.

Also, was wären vernünftige Anlagegrenzen für die Sektoren und Länder?

Wir denken, mit maximal 20% je Sektor und Land, solltest Du ganz gut aufgestellt sein.

5. An Verlusten wird nicht zu lange festgehalten

Eventuell hast Du schon mal vom Loss Aversion Bias gehört?

Dieser Bias kommt aus der Behavioral Finance (Verhaltenskönomie).

Nach diesem Bias werden von Menschen Verluste doppelt so stark wahrgenommen wie Gewinne.

Das führt dann dazu, dass viel zu lange an Aktien festgehalten wird, obwohl absehbar ist, dass diese Aktien vermutlich nie wieder vorherige Levels erreichen werden.

Oder es gibt einfach bessere Alternativen.

Wenn auf Grund eines sehr einschneidenden Ereignisses klar ist (eine neue Technologie oder es stellt sich heraus das ein Konzept nicht aufgeht), dass die Aktien des Unternehmens dauerhaft keine Rendite bringen, dann solltest Du die Verluste realisieren.

Da Du ja strikt auf die 5% Regel achtest, wird dann der jeweilige Verlust gar nicht so wehtun.

6. Routinemäßig Portfolio Rebalancing wird eingehalten

Bereits beim Aufbau des Portfolios solltest Du Dir darüber klar werden, wie oft Du das Portfolio neu ausrichten (ausbalancieren) möchtest.

Bei kleineren Vermögen (unter 30.000 €) reicht ein jährliches Rebalancing aus.

Bei größeren Vermögen kann es Sinn machen, halbjährlich und dann sogar quartalsweise zu rebalance.

Desto kleiner Dein Vermögen ist, desto stärker fallen die Kosten ins Gewicht. Der eventuelle Nutzen des Rebalancings könnte also durch höhere Kosten aufgefressen werden.

7. Hohe Depot- und Transaktionskosten werden vermieden

Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir diesen Punkt hier aufführen sollten.

Da er dennoch sehr wichtig ist, haben wir uns dazu entschlossen ihn mit aufzunehmen.

Noch heute sind Depot- und Ordergebühren teilweise (unbegründet) sehr hoch.

Sehr hohe Gebühren, insbesondere für den Kauf von Auslandsaktien (die Du brauchst für ein ausbalanciertes Portfolio) können sehr viel Rendite auffressen.

Achte also auf die Kosten, damit Du bei den routinemäßigen Rebalancen Deines Aktienportfolios nicht zu hohe Kosten hast.