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Aktienportfolio: wie du in 10 Schritten ein gutes Portfolio erstellst

Verfasst von

Reza Machdi-Ghazvini,CAIA

Finanzexperte

Aktien bieten dir die Chance, eine attraktive Rendite zu erzielen. Doch, du kannst auch sehr viel Geld verlieren, wenn du auf nur wenige oder ähnliche Aktien setzt. 

Ein Aktienportfolio ist eine relativ simple Lösung, um einige der Risiken zu reduzieren, wenn es gut aufgebaut wurde. Hierfür musst du nur ein paar Grundlagen kennen.

Wir haben dir eine einfache Schritt-für-Schritt Anleitung mit den wichtigsten Grundlagen zusammengestellt, die auch wir bei unseren Portfolios erfolgreich befolgen.

Folgendes schauen wir uns in dieser Anleitung an:

Wie du dir in 10 Schritten ein Aktienportfolio aufbaust

Hinweis: Der Inhalt dieses Beitrags dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung oder Empfehlung dar.

Was ist ein Aktienportfolio?

Ein Aktienportfolio ist ganz einfach eine Sammlung von diversen Aktien.

Die Zusammensetzung des Portfolios ist allerdings für deinen Anlageerfolg sehr wichtig.

Unabhängig davon, welche Aktien du kaufen möchtest, ist es wichtig, nicht das ganze verfügbare Kapital für eine einzelne Aktie oder sehr wenige Aktien auszugeben. 

Läuft diese Aktie nämlich schief, kann es sein, dass du deine gesamte Investition verlierst. 

Um dieses Risiko zu minimieren, solltest du mehrere unterschiedliche Aktien kaufen, die so unabhängig voneinander wie möglich sind.

Was ist der Unterschied zwischen einem Depot und Portfolio?

Der Unterschied ist eigentlich sehr einfach.

Um ein Portfolio aus verschiedenen Aktien erstellen zu können, benötigst du einen Ort, um deine Aktien zu lagern. So wie du dein Geld auf einem Girokonto lagerst.

Dieser Ort ist ein Depot, genaugenommen ein Wertpapierdepot.

Gerade bei der Wahl eines Depots solltest du dir etwas Zeit nehmen und die Depots vergleichen. Denn die Kosten und Services der einzelnen Anbieter können sehr unterschiedlich sein, vor allem die Grund- und Ordergebühren.

Anleitung in 10 Schritten

Wir haben in der folgenden Anleitung den Aufbau eines Aktienportfolios so einfach und logisch wie möglich dargestellt. Schritt-für-Schritt, in nur 10 Punkten.

Lass uns loslegen.

Schritt 1: Lege ein Anlageziel fest

Anlageziel festlegen

"Wer nicht weiß, wohin er gehen will, tut sich schwer, den Weg zu finden."

Das gilt auch für Aktien und Investitionen ganz allgemein. Darum sollte der allererste Schritt sein, dein Ziel zu definieren.

Konkreter formuliert: Wie viel Geld willst du mit Aktien verdienen? Und warum?

Denn ein guter Grund kann es leichter für dich machen, dein Ziel zu erreichen.

Beispiel: Du könntest als Anlageziel festlegen, dass du jeden Monat zusätzlich 1.000 € Nebeneinkommen aus Aktien erzielen willst, um deine Miete bezahlen zu können. 

Schritt 2: Bestimme den Anlagezeitraum

Anlagezeitraum festlegen

Ein Ziel ist wenig wert, wenn du nicht festlegst, in welcher Zeit du es erreichen möchtest.

Wenn du festlegst, wann du dein Ziel erreichen willst, kannst du deinen Fortschritt messen. Und es kann dich motivieren.

Es kann dich dazu veranlassen, viel mehr Zeit zu investieren und viel mehr Ideen zu generieren, um das Ziel innerhalb der Zeit zu erreichen.

Ganz grob gesagt, unterscheiden wir beim Investieren meist 3 Zeiträume:

  • Kurzfristig: bis 3 Jahre

  • Mittelfristig: 3-10 Jahre

  • Langfristig: mehr als 10 Jahre

Beispiel: Sagen wir nun, dein Anlagezeitraum ist 5 Jahre.

Schritt 3: Bestimme den Anlagebetrag

Anlagebetrag bestimmen

Nun kommt eine schwierige Frage: Wie viel Geld musst du anlegen, um dein Ziel in deinem gewünschten Zeitraum zu erreichen.

Die Antwort: es kommt auf viele Faktoren an, insbesondere die Strategie.

Aktien können auf unterschiedliche Weise Gewinn generieren.

Beispielsweise durch Wertsteigerung (wenn du sie zu einem höheren Kurs verkaufst als du gekauft hast) oder durch Dividendenerträge (freiwillige Gewinnbeteiligung der Aktionäre, ausgeschüttet durch das Unternehmen) oder durch eine Mischung aus beidem.

Beispiel: Wie viel müsstest du monatlich anlegen, um in 5 Jahren ein Zusatzeinkommen von € 1000 zu erreichen? 

Um es einfach zu machen, gehen wir davon aus, dass du immer eine Rendite von 5 % pro Jahr erzielst und die Gewinne sofort reinvestierst. 

Dann müsstest du pro Jahr €44.000 investieren (oder etwa €3.667 pro Monat), um das Ziel zu erreichen.

Gerechnet wurde hier:
Aktuelles Vermögen = Vermögen Vorjahr + Angelegt aktuelles Jahr + Dividenden Vorjahr
Aktuelles Vermögen * 5 % = Aktuelle Dividenden

Jahr

Angelegt

Vermögen

Dividenden

0

0

0

0

1

  44.000,00 €

44.000,00 €

2.200,00 €

2

  44.000,00 €

90.200,00 €

4.510,00 €

3

  44.000,00 €

  138.710,00 €

6.935,50 €

4

  44.000,00 €

  189.645,50 €

9.482,28 €

5

  44.000,00 €

  243.127,78 €

  12.156,39 €

Tipp: Natürlich kann der Anlagezeitraum verlängert oder aber das Ziel verringert werden, dann sehen die Zahlen wieder völlig anders aus.

Wenn du den Anlagezeitraum in unserem Beispiel auf 10 Jahre verlängerst, benötigst du nur etwa 19.000 € jährlich bzw. 1.600 € monatlich, um das Ziel zu erreichen.

Schritt 4: Bestimme eine Aktienstrategie 

Aktienstrategie bestimmen

Welche Strategie zu dir passt, ist keine leichte Entscheidung, vielleicht musst du auch etwas ausprobieren. 

Wichtig ist eine Entscheidung: Willst du langfristig oder kurzfristig investieren? 

Das Spektrum des Anlagehorizonts am Aktienmarkt reicht von wenigen Sekunden hin zu mehreren Jahrzehnten.

Beides hat Vorteile und Nachteile.

Langfristig bedeutet, Kursschwankungen bringen dich nicht so schnell aus dem Konzept, dafür kann es sein, dass kurzfristige Gewinne auf der Strecke gelassen werden.

Kurzfristig bedeutet, Kursschwankungen betreffen dich sehr stark und es kann sein, dass der langfristige Ertrag nicht zufriedenstellend ist.

Expert*innen sind sich großteils einig: “Time in the market beats timing the market”

Zu Deutsch: Es ist sehr schwierig den Markt kurzfristig zu schlagen, also lieber mit dem langfristigen Investieren später mehr Geld verdienen.

Es gibt unzählige verschiedene Strategien und Möglichkeiten in Aktien zu investieren.

Tipp: Um den Einstieg zu erleichtern, würden wir grundsätzlich empfehlen, den Großteil (80-90 %) der Aktien langfristig zu investieren.

Für die langfristigen Investitionen eignet sich insbesondere die Dividendenstrategie

Hier geht es darum, Aktien zu wählen, die möglichst regelmäßig und möglichst steigende Dividendenausschüttungen tätigen, sogenannte “Dividenden Aristokraten”.

Diese Aktien kaufst du und lässt sie für dich arbeiten, ohne sie je wieder anzugreifen. Du genießt die Früchte (die Dividenden) der Aktien, verkaufst sie aber nicht. Wenn möglich, kannst du gerne nachkaufen, aber eben nicht verkaufen.

Die restlichen 10-20 % sind dein “Risiko-Portfolio”.

Dieses Geld investierst du in Growth Aktien über eine Wachstumsstrategie.

Das sind Aktien, die deutlich risikoreicher sind, aber auch deutlich höhere Rendite abwerfen können.

Klassische, erfolgreiche Growth Aktien waren beispielsweise Tech Unternehmen wie Apple, Google und Facebook. 

Hier solltest du aber wirklich maximal 10-20 % deines Portfolios investiert haben, denn Growth Aktien können zum Totalverlust führen, wenn die Firma pleitegeht.

Schritt 5: Wähle passende Aktien zur Aktienstrategie aus

Passende Aktien wählen

Nun musst du überlegen, welche Aktien zu deiner Strategie passen.

Für kurzfristige Strategien eignen sich besonders volatile Aktien, deren Preise sich ständig nach oben oder unten korrigieren (oft auch mit sehr großen Schwankungen innerhalb eines Trading-Tages).

Für langfristige Strategien hingegen eignen sich besonders stabile Aktien. Sie werfen vielleicht im Moment nicht so viel Gewinn ab, dafür aber langfristig relativ konstant. Außerdem sind sie meist nicht so nervenaufreibend wie volatile Aktien.

Dividendenstrategie

Für die Dividendenstrategie ist es ratsam, sich ein Portfolio aus Aktien zusammenzustellen, die regelmäßig Dividenden ausschütten.

Ganz besonders geeignet sind hierfür wie im vorherigen Schritt erwähnt "Aristokraten".

Das sind Unternehmen, die seit mindestens 25 Jahren immer gleichbleibende oder sich erhöhende Dividenden ausschütten (selbst durch Corona-Zeiten hindurch).

Wachstumsstrategie

Die Auswahl von Growth Aktien ist etwas schwieriger.

Es hilft, sich auf Unternehmen zu konzentrieren, die sich mit (neuen) Technologien auseinandersetzen und deren Börsengang noch nicht allzu lange zurückliegt.

Du solltest das Unternehmen aber auf jeden Fall gut verstehen. Denn diese Investmentstrategie ist deutlich riskanter, weil sich das Unternehmen erst als “erfolgreich” beweisen muss.

Schritt 6: Erstelle eine Watchlist und warte auf den richtigen Einstiegsmoment

Watchlist erstellen

Nachdem du ein paar passende Aktien gefunden hast, kannst du dir eine Watchlist erstellen. 

Das heißt, du beobachtest deine Aktien und wartest, bis ein guter Moment für den Einstieg gekommen ist. Das heißt, ein Moment, in dem du die Aktie möglichst günstig kaufen kannst.

Es gibt viele Ansätze dazu, wie genau das berechnet wird. Optimal ist es natürlich, wenn du unterbewertete Aktien findest und diese zum “Ausverkaufspreis” kaufst.

Schritt 7: Gewichte jede Aktie mit maximal 5 % 

5 Prozent Regel pro Aktie

Wer nur auf eine Karte setzt, kann viel gewinnen, aber genauso viel verlieren.

Daher empfehlen wir immer, das Risiko und damit auch die gekauften Aktien möglichst zu streuen. Diversifizieren wird dies auch genannt.

Merke dir die Daumenregel von 5 %: Jedes Unternehmen soll nur max. 5 % deines Portfolios ausmachen.

Zu Beginn wird das natürlich schwierig sein. Wenn du die erste Aktie kaufst, wird diese 100 % deines Portfolios ausmachen. Aber nach spätestens 6-12 Monaten sollte sich die 5 %-Regel eingependelt haben.

Schritt 8: Wähle eine Mischung aus Sektoren und Ländern 

Mischung aus Sektoren und Ländern

Wenn du deine Aktien auswählst, sollten diese sehr unterschiedlich und wenig voneinander abhängig sein.

Du solltest diese vor allem über

  1. Länder und

  2. Branchen hinweg streuen.

Selbst wenn es einen Mega-Crash gibt, sind meist nicht alle Länder und Branchen betroffen. 

Stelle also in jedem Fall sicher, dass dein Portfolio möglichst breit über viele Länder und Branchen gestreut (diversifiziert) ist.

Schritt 9: Nutze Rücksetzer zum Nachkaufen (frisches Kapital oder aus Dividenden)

Rücksetzer nutzen um Nachzukaufen

Wenn der Preis deiner Aktie fällt, solltest du in diesem Moment einen kühlen Kopf bewahren und nicht übereilt verkaufen.

Jetzt solltest du prüfen, ob die Grundidee hinter der Aktie (also warum du die Aktie ursprünglich ausgewählt hast) weiterhin richtig ist. Denn hier gibt es wichtige Unterschiede.

Fällt die Aktie, weil etwa der Sektor oder Markt generell unter Druck ist? Oder fällt die Aktie, weil das Unternehmen selber Probleme hat und diese eventuell nicht lösen kann?

Wenn das Fundament deiner Aktie weiterhin gut ist, dann ist eventuell jetzt der richtige Zeitpunkt, um nachzukaufen. 

Denn so kannst du eine Aktie, an deren Geschäftsmodell du weiterhin glaubst, günstig nachkaufen.

Wenn das Unternehmen aber zum Beispiel in die Insolvenz schlittert, solltest du lieber alles schnellstmöglich verkaufen und Verluste begrenzen.

Um nachzukaufen, kannst du neu angespartes Kapital oder deine Dividendeneinhamen nutzen

Schritt 10: Balanciere dein Aktienportfolio regelmäßig neu aus (Gebühren beachten)

Aktienportfolio regelmäßig ausbalancieren

Um die 5%-Regel aus Schritt 7 möglichst genau beizubehalten, kann es nötig sein, den Anteil von einigen Aktien im Laufe der Zeit zu verkleinern oder zu vergrößern.

Lass uns ein Beispiel machen. Aktie A gewinnt 20 % an Wert und Aktie B verliert 20 %. Aktie A wird dann einen größeren Anteil als 5 % von deinem Portfolio ausmachen, und Aktie B einen kleineren Anteil.

Wenn eine Aktie einen zu großen Anteil ausmacht, stellt sie auch ein größeres Risiko für dein Portfolio dar.

Daher kann es sinnvoll sein, das Verhältnis wieder anzugleichen. Das würde in unserem Beispiel heißen, einen Teil von Aktie A verkaufen und Aktie B nachkaufen.

Aber, dabei solltest du die Gebühren beachten.

Je nach Broker können diese unterschiedlich hoch ausfallen und manche Broker verlangen Mindestgebühren.

Hohe Mindestgebühren können schnell zulasten deiner Rendite gehen, weshalb du abwägen solltest, ob sich ein Rebalancing (Ausgleichen) wirklich lohnt.

Häufig gestellte Fragen

Welche Aktien gehören in ein Portfolio?

Das lässt sich so pauschal nicht beantworten, denn du solltest die Aktien basierend auf deiner Strategie und deinen Zielen auswählen.

Generell solltest du aber verschieden Aktien auswählen, aus unterschiedlichen Branchen und Ländern, damit diese so unabhängig voneinander wie möglich sind.

Auch sollte eine einzelne Aktie möglichst nicht mehr als 5 % deines Portfolios ausmachen, um dein Risiko weiter zu reduzieren.

Wie groß sollte ein Aktienportfolio sein?

Um dein Risiko zu minimieren und eine ausreichende Streuung (Diversifikation) deines Portfolios zu erreichen, empfehlen Expert*innen generell mindestens 15-20 Aktien zu halten.

Was ist ein gutes Aktienportfolio?

Was ein "gutes" Aktienportfolio ausmacht, hängt sehr von deiner individuellen Strategie ab.

Aber generell würden wir ein ausbalanciertes und diversifiziertes Portfolio als gut bezeichnen.

Um dies zu erreichen, solltest du mindestens 20 Aktien halten und über Länder und Branchen hinweg streuen. Zudem sollte eine einzelne Aktie nicht mehr als 5 % von deinem Portfolio ausmachen.

Fazit

Aktien sind eine wunderbare Anlagemöglichkeit, um Vermögen aufzubauen oder passives Einkommen zu generieren.

Je nach Anlagestrategie gibt es natürlich gewisse Vorteile und Nachteile sowie unterschiedliche Strategien, doch mit ein wenig Recherche kannst du dir selbst rasch dein eigenes Aktienportfolio aufbauen.

Wenn du unseren 10 Schritten folgst, hast du eine gute Basis, um ein erfolgreiches Aktienportfolio aufzubauen.

Wenn du mehr über das Investieren in Aktien erfahren möchtest, empfehlen wir dir unseren Aktien Ratgeber.

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Zuletzt aktualisiert am 23 Juni 2022