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Was ist der Maximum Drawdown? Alles was du wissen musst

Verfasst von

Reza Machdi-Ghazvini,CAIA

Finanzexperte

Der Maximum Drawdown (maximaler Wertverlust) ist eine Risikokennzahl, die für ein Wertpapier den größtmöglichen Wertverlust innerhalb eines betrachteten Zeitraums angibt.

Hierfür berücksichtigt die Kennzahl immer die höchsten und niedrigsten Kurswerte innerhalb einer beobachteten Periode. Ein Maximum Drawdown gilt erst dann als aufgeholt, sobald ein neues Hoch erreicht wurde.

In diesem Artikel wirst du Folgendes lernen:

Maximum Drawdown aufgezeichnet

Wie der Maximum Drawdown berechnet wird

Die Berechnung des Maximum Drawdowns für ein Wertpapier ist grundsätzlich sehr einfach.

Nehmen wir etwa ein Wertpapier an, dass über einen Zeitraum von 3 Jahren ein Kurshoch bei 110 € hatte und fiel daraufhin auf einen Kurs von 100 €.

Um jetzt den maximalen Wertverlust zu berechnen, teilst du das Kurshoch durch das Kurstief, ziehst 1 ab und multiplizierst mit 100. Im Anschluss erhältst du das Ergebnis: 10 %.

Mathematisch ausgedrückt würde das folgender Formel entsprechen: 110 € / 100 € - 1) * 100 = 10 %

Mit Sicherheit hat es aber während des Zeitraums auch weitere, kleinere Drawdowns gegeben und es wäre sehr mühsam diese alle von Hand auszurechnen.

Daher schauen wir uns jetzt an, wie das Ganze in Excel funktionieren würde.

Berechnung in Excel

Wie du den Maximum Drawdown in Excel berechnen kannst, lässt sich am besten anhand eines kurzen Beispiels zeigen.

Hierfür haben wir uns die berichtigten Schlusskurse des DAX von Yahoo Finance aus dem September 2020 heruntergeladen:

  • 01.09.20: 12.974,25

  • 02.09.20: 13.243,43

  • 03.09.20: 13.057,77

  • 04.09.20: 12.842,66

  • 07.09.20: 13.100,28

  • 08.09.20: 12.968,33

  • 09.09.20: 13.237,21

  • 10.09.20: 13.208,89

  • 11.09.20: 13.202,84

  • 14.09.20: 13.193,66

  • 15.09.20: 13.217,67

  • 16.09.20: 13.255,37

  • 17.09.20: 13.208,12

  • 18.09.20: 13.116,25

  • 21.09.20: 12.542,44

  • 22.09.20: 12.594,39

  • 23.09.20: 12.642,97

  • 24.09.20: 12.606,57

  • 25.09.20: 12.469,20

  • 28.09.20: 12.870,87

  • 29.09.20: 12.825,82

  • 30.09.20: 12.760,73

Wenn du dir die Zahlen genauer ansiehst, wirst du feststellen, dass es während diesem Monat mehrere Drawdowns gab.Hier gibt es gleich mehrere Wege in Excel, um den maximalen Drawdown zu bestimmten. Den unserer Meinung nach einfachsten Weg zeigen wir dir jetzt.

Anleitung: Berechnung in Excel

  1. Wir gehen davon aus, dass in der Spalte A das Datum ist und in der Spalte B der Schlusskurs.

  2. Wir verwenden in Excel die Reihen 1 bis 23. Die Reihe 1 ist unsere Bezeichnungsweise.

  3. In der Spalte C berechnen wir jetzt die Drawdowns.

  4. In die Spalte C2 trägst du einfach 0 ein. Ab hier geht es im Grunde los, also kann es auch keinen Drawdown geben.

  5. In die Spalte C3 trägst du jetzt =B3/MAX($B$2: B2)-1 ein (achte auf die $ Zeichen, sonst funktioniert es nicht).

  6. Jetzt ziehst du die Formel (linke Maustaste gedrückt) herunter bis zur Zeile 23.

In Excel würde das dann wie folgt aussehen:

DAX Maximum Drawdown Werte in Excel

Wie hoch ist der Maximum Drawdown des MSCI World?

Bei sehr vielen Anleger*innen sind ETFs, die die Wertentwicklung des MSCI Worlds abbilden, beliebt.

Insbesondere aufgrund ihrer breiten Diversifikation gelten ETFs auf den MSCI World als besonders sicher, gerade im Vergleich zu Investitionen in einzelne Aktien.

Oft haben wir aber den Eindruck, dass Anleger*innen das Risiko unterschätzen, dass auch von solchen Wertpapieren ausgehen kann, was wir grafisch zeigen möchten.

Grafik des Maximum Drawdowns des MSCI World von 1978 bis 2021

Im Schaubild zeigt sich, dass der längste Maximum Drawdown 13 Jahre und 2 Monate gebraucht hätte, bevor er wieder aufgeholt werden konnte und in der Spitze ein Kurstief von -54,3 % erreichte.

Wie du den Maximum Drawdown richtig interpretierst

Im Folgenden möchten wir dir noch ein paar Tipps nennen, die du bei der Interpretation berücksichtigen solltest.

1. Berücksichtige unterschiedliche Anlagezeiträume

Eventuell ist dir bereits aufgefallen, dass der Maximum Drawdown je nach Betrachtungszeitraum unterschiedliche Ergebnisse liefert.

Daher solltest du dir immer wenigstens die letzten 5 Jahre, besser noch 10 Jahre anschauen, um wirklich einschätzen zu können, mit welchen maximalen Wertverlust du bei einem Wertpapier rechnen musst.

Schaust du dir zum Beispiel den Maximum Drawdown vom MSCI World aus einem anderen Zeitraum an, ergibt sich ein anderer Wert. Anknüpfend an das vorherige Beispiel beträgt der Maximum Drawdown für den Zeitraum von 1978 bis 1998 -36,6 %.

Grafik des Maximum Drawdowns des MSCI World von 1978 bis 1998

2. Betrachte die Volatilität zusammen mit dem Maximum Drawdown

Insbesondere zusammen mit der Volatilität (Standardabweichung) ist die Risikokennzahl sehr hilfreich. Denn die Volatilität, die angibt, wie stark ein Wertpapier schwankt, ist nicht konstant.

In guten Börsenzeiten sinkt sie und kann auch über einen langen Zeitraum auf einem niedrigen Niveau verharren. In turbulenten Börsenzeiten explodiert sie dann förmlich.

Hättest du dich also nur auf die Volatilität verlassen, hättest du eventuell das Risiko eines Wertpapiers unterschätzt.

3. Nutze den Maximum Drawdown als Einstiegsindikator

Oft wird bei aller Risikobewertung vergessen, dass die Risikokennzahl gut als Einstiegsindikator genutzt werden kann.

Zeigt sich zum Beispiel, dass die historischen Drawdowns zwischen 20 % und 30 % schwankten, so könnte das eine gute Gelegenheit sein, um eine Position aufzubauen. 

Abschließende Überlegungen

Der Maximum Drawdown gibt den maximalen Wertverlust an, der dich innerhalb eines Betrachtungszeitraums getroffen hätte. Wenn du das Risiko eines Wertpapiers einschätzen möchtest, ist die Risikokennzahl unserer Meinung nach unverzichtbar.

Möchtest du noch mehr über die Bewertung von Geldanlagen und ihren Risiken lernen? Dann schau dir unseren Geldanlage Leitfaden an.

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Zuletzt aktualisiert am 23 Juni 2022