Maximum Drawdown (MDD): weshalb diese Kennzahl so wichtig ist

Zuletzt aktualisiert am 07 Februar 2021 von Reza

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Maximum Drawdown

Die Kennzahl Maximum Drawdown (Maximaler Wertverlust) gehört zu den wichtigsten Risikokennzahlen.

Kursverluste können zu einem großen Problem für Dich werden, insbesondere wenn sie im höheren zweistelligen Bereich liegen.

Zum Beispiel kann ein Kursverlust von 5% einfach mit einem Kursgewinn von 5,26% wieder ausgeglichen werden.

Ab 30% hingegen benötigst Du bereits ca. 43% Kursgewinne, um den Verlust wieder aufzuholen.

Ab 50% sind es sogar ca. 100%.

Das macht diese Kennzahl so relevant und daher schauen wir uns sie jetzt zusammen an.

Maximum Drawdown Definition

Die Risikokennzahl gibt den größtmöglichen Wertverlust innerhalb eines betrachteten Zeitraums an. Dabei berücksichtigt die Kennzahl immer den höchsten und den niedrigsten Wert der beobachteten Periode.

Der Maximum Drawdown wird also immer erst wieder aufgeholt, wenn ein neues Hoch erreicht wurde.

Das klingt wesentlich komplexer als es ist, daher schauen wir uns im nächsten Schritt an, wie der Maximum Drawdown berechnet wird.

Berechnung des Maximum Drawdowns (Excel)

Die eigentliche Berechnung des Maximum Drawdowns ist sehr einfach.

Nehmen wir mal an, Du schaust dir gerade einen Fonds an.

Auf Sicht von 3 Jahren hatte der Fonds ein Kurshoch bei 110 € Euro und fiel daraufhin auf ein Kurstief von 100 €.

Demnach wird der Maximum Drawdown so berechnet, dass du das Kurshoch durch das Kurstief teilst und noch 1 abziehst und mit 100 multiplizierst.

(110 € / 100 € - 1) * 100 = 10% Maximum Drawdown.

Berechnung in Excel

Auch in Excel lässt sich der Maximum Drawdown recht einfach über einen bestimmten Zeitraum berechnen.

Hierzu habe ich einmal von yahoo Finance die (berichtigten) Schlusskurse vom DAX im September 2020 heruntergeladen.

Folgende Zahlen würden wir dann erhalten:

Datum

Schlusskurs

01.09.20

           12,974.25

02.09.20

           13,243.43

03.09.20

           13,057.77

04.09.20

           12,842.66

07.09.20

           13,100.28

08.09.20

           12,968.33

09.09.20

           13,237.21

10.09.20

           13,208.89

11.09.20

           13,202.84

14.09.20

           13,193.66

15.09.20

           13,217.67

16.09.20

           13,255.37

17.09.20

           13,208.12

18.09.20

           13,116.25

21.09.20

           12,542.44

22.09.20

           12,594.39

23.09.20

           12,642.97

24.09.20

           12,606.57

25.09.20

           12,469.20

28.09.20

           12,870.87

29.09.20

           12,825.82

30.09.20

           12,760.73


Jetzt wollen wir den Maximum Drawdown finden, hierfür müssen wir allerdings erst die fortlaufenden Drawdowns finden.

Hier führen verschiedene Wege zum Ziel, den vermutlich einfachsten Weg zeigen wir Dir jetzt.

Wir gehen davon aus, dass in der Spalte A das Datum ist und in der Spalte B der Schlusskurs.

Wir verwenden in Excel die Reihen 1 bis 23. Die Reihe 1 ist unsere Bezeichnungsreihe.

In der Spalte C berechnen wir jetzt die Drawdowns.

In die Spalte C2 trägst Du einfach 0 ein. Ab hier geht es im Grunde los, also kann es auch keinen Drawdown geben.

In die Spalte C3 trägst Du jetzt =B3/MAX($B$2:B2)-1 ein (achte auf die $ Zeichen sonst funktioniert es nicht).

Das Ganze sieht dann so aus:

DAX Maximum Drawdown

Jetzt ziehst Du die Formel (linke Maustaste gedrückt) herunter bis zur Zeile 23.

Jetzt kannst Du entweder den Maximum Drawdown direkt ablesen, in diesem Fall -5,93% oder Du könntest auch über die Ergebnisse der Spalte C noch die Minimum-Funktion von Excel anwenden.

Einfach oder?

Perfektionisten werden jetzt festgestellt haben, dass es auch positive Werte gibt, nämlich 2,07% und 0,09%. 

Das ist ok, wenn Du nur den Maximum Drawdown suchst.

Willst Du den Drawdown Dir auch hübsch auf einem Diagramm anzeichnen, solltest Du noch eine WENN-Funktion benutzen, die den Wert einfach 0 sitzt, wenn er größer als 0 ist.

Falls Du die Wenn-Funktion nicht kennst. Microsoft erklärt sie auf dieser Seite WENN (Funktion) ganz genau.

Beispiel: Maximum Drawdown des Deutschen Aktienindexes (DAX)

Gut, schauen wir uns doch mal dem Maximum Drawdown vom Dax an. Wir haben als Periode 10 Jahre genommen vom 04.10.2010 bis zum 02.10.2020. Wir schauen uns wieder die berichtigten Schlusskurse an.

DAX Maximum Drawdown 10 Jahre

Wie du siehst, kam der DAX in den letzten zehn Jahren mehrfach unter Druck.

Da waren zum einen die europäische Schuldenkrise und zum anderen der aufflammende Handelsstreit zwischen den USA und China.

Auch die aktuelle Corona-Krise lässt sich sehr gut in dem Drawdown-Verlauf erkennen.

Im schlechten Fall hätte also ein Investor einen maximalen Verlust von ca. -40% aushalten müssen.

Wie Du an der Kurve ablesen kannst, hat der DAX zum aktuellen Zeitpunkt (Oktober 2020) diesen Verlust auch noch nicht wieder aufgeholt. 

Richtige Interpretation des Maximum Drawdowns

Beim Maximum Drawdown kommt es sehr auf den Anlagezeitraum an, den Du dir anschaust.

Wie Du zum Beispiel anhand des vorangegangen Beispiels mit dem DAX siehst, so waren die Jahre 2013 bis 2015 entspannte Börsenjahre.

Tatsächlich handelt es sich hierbei um die Rally nach der europäischen Schuldenkrise.

Es ist daher immer ratsam sich die Maximum Drawdowns der letzten 3, 5 und 10 Jahre anzusehen.

Bei der 10-jährigen Betrachtung ist zum Beispiel die Finanzkrise nicht mehr dabei, die allerdings auch zu hohen Kursverlusten führte.

Maximum Drawdown zusammen mit Volatilität betrachten

Der Maximum Drawdown ist insbesondere mit der Volatilität zusammen eine sehr wertvolle Kennzahl.

Denn die Volatilität (Standardabweichung) ist nicht konstant. In guten Börsenzeiten sinkt sie und kann auch über einen langen Zeitraum auf einem niedrigen Niveau verharren.

In turbulenten Börsenzeiten explodiert sie dann förmlich.

Hättest Du Dich also nur auf die Volatilität verlassen, hättest Du eventuell in eine Aktie investiert, die nicht zu Deinem Anlegertyp passt.

Der Maximum Drawdown kann ebenfalls ein Einstiegsindikator sein

Außer dass der Maximum Drawdown natürlich ein Risikomaß ist, so kann die Kennzahl auch als Indikator für einen Einstieg interessant sein.

Wie Du beim Dax siehst, so traten größere Drawdowns immer zwischen 20% und 30% auf.

Wenn Du eventuell eine Liste an Aktien hast, in die Du schon länger investieren möchtest, so könnten also Maximum Drawdowns in dem Ausmaße (wenn der ganze Markt eben fällt und irrational ist) interessante Einstiegsmomente sein.

Witziger weise investieren viele Anleger dann genau nicht.

Warren Buffet fasst das Ganze mit einem seiner bekanntesten Zitate zusammen:

“Be Fearful When Others Are Greedy and Greedy When Others Are Fearful”