Wie Du Deine erste Dividendenaktie in 2 Minuten bewerten kannst

Zuletzt aktualisiert am 07 Februar 2021 von Reza

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Dividendenaktien in 2 Minuten bewerten

Dividendenaktien sind sehr beliebt.

Als Dividendenaktien werden oft Aktien von Unternehmen bezeichnet, die den größten Teil ihrer Gewinne ausschütten.

Auf Grund dieser Eigenschaft lassen sich solche Aktien sehr schnell bewerten.

Die zu erwarteten Dividenden sind über Jahre hinweg oft stabil, was den großen Vorteil für Dich hat, dass Du mit nur ein paar Angaben eine Dividendenaktie schnell bewerten kannst.

Wie das geht, zeigen wir Dir jetzt.

Aktienbewertung (Stock Valuation) mit dem Dividend Discount Model

Damit Du eine Dividendenaktie schnell bewerten kannst, musst Du das Dividend Discount Model kennenlernen.

 Von diesem Model gibt es verschiedene Versionen, wir konzentrieren uns hier auf das Gordon Growth Model.

An der Stelle sei erwähnt, dass Du generell Aktienbewertungen immer mehr als erste Indikation sehen solltest, da die einzelnen Modelle selbst Annahmen treffen. Mit dem Dividend Discount Model kriegst Du aber eine ungefähre gute erste Indikation.

Eventuell schreckt Dich der Name ein wenig ab. Das Wort Model klingt bereits groß. Tatsächlich handelt es sich bei dem Model um eine sehr simple Formel.

Die Formel ist: D / (r – g) = fairer Wert

Im Finanzjargon wird immer vom fairen Wert gesprochen, wenn es um Aktienbewertungen geht.

Wofür stehen die einzelnen Buchstaben nun?

D steht für Dividende

Du hast es bereits geahnt, dass D steht für Dividenden.

Wichtig hierbei ist, dass allerdings die zu erwartende Dividende für das nächste Jahr gesucht wird.

r steht für die Eigenkapitalkosten (Cost of Equity)

Dieser Wert ist oft ein wenig verwirrend, aber auch ganz leicht zu verstehen.

Bei den Eigenkapitalkosten geht es um die Mindestrendite, die ein Aktionär erwarten würde.

Der DAX hat historisch gesehen zum Beispiel Jahresrenditen von 7% bis 8% jährlich erzielt. Du könntest also einfach diese Rendite nehmen?

Naja, nicht ganz, denn dann könntest Du auch genauso gut einen ETF kaufen statt die Einzelaktie.

Daher solltest Du die Aktie mit dem Index vergleichen. Ist die Aktie riskanter, erwartest Du mehr Rendite, ist die Aktie weniger riskant, erwartest Du weniger Rendite.

Dividendenaktien sind oft viel weniger riskant als zum Beispiel ein Indexfonds. Daher könntest Du eventuell grundsätzlich bei Deutschen Dividendenaktien von 6% bis 7% ausgehen.

Die Eigenkapitalkosten lassen sich allerdings auch sehr genau bestimmen, wie wir auch in diesem Artikel zeigen.

g steht für die ewige Wachstumsrate der Dividende

Bei diesem Wert geht es darum eine ewige Wachstumsrate für das Unternehmen festzulegen.

Das klingt jetzt super kompliziert und ist auch sehr einfach.

Viele Aktien mit hohen Dividendenrenditen neigen dazu, schrittweise und sehr verlässlich, ihre Dividenden über die Jahre anzuheben. Dadurch wird unter anderem die Inflation ausgeglichen.

Daher wird sich für diesen Wert oft das historische Dividendenwachstum über 1 und 3 Jahren angesehen. Dann wird der Durchschnitt gebildet.

Der Durchschnitt wird oft verwendet, weil es manchmal in einzelnen Jahren zu Sonderereignissen kommen kann.

Wer die Ergebnisse noch mehr glätten möchte, kann auch noch 5 und 10 Jahre hinzunehmen.

Sehr einfaches Beispiel des DDM (Dividend Discount Models)

Bevor wir uns im nächsten Schritt ein realistisches Beispiel zusammen ansehen, werden wir erst mal ein sehr einfaches Beispiel zusammen durchgehen.

Nehmen wir an die deutsche Firma A zahlt eine Dividende von 2 € pro Aktie. Es ist zu erwarten, dass die Dividende für die nächsten Jahre um 5% wachsen wird.

Es handelt sich um eine Dividendenaktie, da der größte Teil der jährlichen Gewinne ausgeschüttet wird.

Wir wollen schnell zu einem Wert kommen, also nehmen wir 6% Eigenkapitalkosten an. Jetzt setzen wir also ein.

Fairer Wert = (2 € x (1 + 5%)) / (6% - 5%) = 2,10 € / (6% - 5%) = 210 €

Beispiel: Bewertung einer Dividendenaktie mit dem Dividend Discount Model

Um das Ganze jetzt ein wenig praktischer zu machen. Schauen wir uns jetzt eine typische Dividendenaktie an.

Wir haben uns Johnsohn & Johnson herausgesucht.

Jetzt suchen wir uns also mal die Angaben, die wir für das Gordon Growth Model brauchen zusammen.

Fangen wir mit der letzten Dividende pro Aktie an. Auf yahoo finance lassen sich die historischen Dividendne hier finden: https://de.finance.yahoo.com/quote/JNJ/history?period1=1443571200&period2=1601424000&interval=div%7Csplit&filter=div&frequency=1d

Johnsohn & Johnsohn zahlt sogar eine quartalsweise Dividende, daher müssen wir die Werte erst mal zusammenrechnen. Im Jahr 2019 wurden 3 mal 0,95 $ pro Aktie an Dividenden ausgeschüttet und 1 Mal 0,90 $.

Daher lag die Dividende im Jahr 2019 bei 3,75 $.

Wenn wir schon mal hier sind, schauen wir uns gleich noch die Dividenden aus den Jahren 2018 und 2017 an. In 2018 wurden insgesamt 3,54 $ an Dividenden bezahlt und im Jahr 2017 3,32 $.

Es gab also von 2018 auf 2019 eine Steigerung um ca. 6%. Von 2017 auf 2018 um ca. 6.6%. Für den Moment reicht das, weshalb wir 6% als weitere Wachstumsrate annehmen.

Die langfristige jährliche Rendite des S&P 500s lag bei ca. 10% jährlich (wir müssen uns den S&P anschauen, da wir uns eine amerikanische Aktie anschauen). Die Aktie ist weit weniger riskant als der Index, wir könnten also mal 8% an Eigenkapitalkosten annehmen.

Jetzt setzen wir also ein.

Fairer Wert = (3,75 $ * 1 + 6%) / (8% - 6%) = 198,75 $

Die Aktie notiert derzeit bei ca. 145 $ (September 2020). Demnach wäre die Aktie unterbewertet und Du solltest sie sofort kaufen?

Nein, das solltest Du nicht tun. Diese erste (sehr schnelle Bewertung) soll Dir nur eine erste Idee geben, ob Du eventuell eine gute Kaufgelegenheit gefunden hast.

Cost of Equity (Eigenkapitalkosten) des Dividend Discount Models

Wir wollten unser Versprechen halten und Dir zeigen, wie Du in ganz kurzer Zeit eine Dividendenaktie bewerten kannst.

Dabei haben wir etwas vereinfachte Annahmen für die Eigenkapitalkosten verwendet.

Tatsächlich solltest Du dir aber die Mühe machen die Eigenkapitalkosten etwas genauer zu bestimmen, bevor Du die Aktie kaufst. Als erste Indikation ist das aber völlig okay.

Grundsätzlich empfehlen wir Dir, die Eigenkapitalkosten für 1 Jahr und 3 Jahre zu bestimmen (dann bildest Du den Durchschnitt).

Die zugrundeliegende Idee wie Du zu den Eigenkapitalkosten kommst, leitet sich aus dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) ab.

Das Ganze lässt sich sehr leicht erklären, Du schaust Dir einfach an, wie stark sich die Aktie (das ist der Beta-Faktor) sich um den jeweiligen Index bewegt.

Schwankt die Aktie mehr als der Index (Beta größer als 1), ist die Aktie riskanter. Schwankt sie weniger, ist sie auch weniger riskant (Beta kleiner als 1).

Schauen wir uns das noch mal für die Aktie Johnsohn & Johnson an.

Auf yahoo Finance lässt sich der 5-Jährige Beta Faktor finden. Zum aktuellen Zeitpunkt (September 2020) beträgt dieser 0,68.

Den 1-jährigen und 3-jährigen Beta-Faktor gibt es leider nicht.

Ein Wert von 0,68 zeigt an, dass die Aktie viel weniger schwankt als der Gesamtmarkt (in diesem Fall der S&P 500).

Da die Zinsen in den USA weiterhin bei ca. 0% notieren (sie liegen tatsächlich ein wenig drüber, aber ich ignoriere sie jetzt der Einfachheit halber), können wir jetzt super einfach die Eigenkapitalkosten bestimmen.

Du rechnest 10% (die langfristige Rendite des S&Ps) x 0,68 = 6,8%.

Wir haben mit 8% sogar noch höhere Eigenkapitalkosten angenommen. Die Aktie wäre demnach sogar noch stärker unterbewertet (setz statt 8% die 6,8% ein und Du siehst, was wir meinen).

Hinweis: wären die Zinsen nicht negativ, würdest Du die noch von den 10% abziehen und sie saparat dazu rechnen.

Assumptions (Annahmen) des Dividend Discount Models

Wir hatten eingangs erwähnt, dass Du Aktienbewertungsmodellen immer ein wenig kritisch gegenüberstehen solltest.

Das ist nicht nur für dieses Model der Fall, sondern gilt generell für alle Modelle.

Dividend Discount Model funktioniert nur für Aktien die Dividenden zahlen

Das Dividend Discout Model trifft die Annahme, dass die Dividenden bis in alle Ewigkeit konstant weiterwachsen. Des Weiteren benötigt das Model auch die aktuelle Dividende.

Was tust Du also, wenn das Unternehmen keine Dividende zahlt?

Wie gehst Du damit um, wenn das Unternehmen in den letzten Jahren immer mal wieder die Dividenden stark erhöht oder gesenkt hat?

In beiden Fällen wirst Du weitere Annahmen treffen müssen, die dann das Ergebnis auch wieder ungenauer machen.

Das Dividend Discount Modell reagiert sehr sensibel auf die Eingaben

Eventuell ist es Dir schon aufgefallen.

Das Modell reagiert sehr stark auf die Eingaben für die Eigenkapitalkosten und für die ewige Wachstumsrate der Dividenden.

Du kannst Dir das leicht vor Augen führen, wenn Du bei einem simplen Beispiel die Angaben nur leicht veränderst.

In unserem Johnsohn und Johnsohn Beispiel würden die Eigenkapitalkosten von nur 6,8% statt 8% den fairen Wert der Aktie stark verändern.

Bei Eigenkapitlakosten von nur 6,8% und einem ewigen Dividenwachstum von 6% würde der faire Wert nämlich bei ca. 496 $ liegen.

(Hinweis: Der Wert ist aber unter anderem auch deswegen ein wenig hoch, weil auch die Wachstumsrate vermutlich etwas zu optimistisch ist.)

Daher werden für einzelne Modelle oft verschiedene Angaben verwendet und dieses Modell wird dann noch mit weiteren Aktienmodellen kombiniert.

Für eine erste Indikation hingegen eignet sich das Modell gut und kommt auch oft zur Anwendung.

Die Annahmen des Modells sollten Dir allerdings bekannt sein, damit Du nicht voreilig eine Aktie kaufst.