P2P Kredite Risiko: Die 3 wichtigsten Risiken, die Du kennen musst

Zuletzt aktualisiert am 26 Februar 2021 von Reza

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P2P Kredite die wichtigsten 3 Risiken

In der Werbung werden P2P Kredite häufig als Tagesgeldersatz bezeichnet. Teilweise sogar als “Alternative zum Sparbuch”. Das ist ein völlig irreführender Vergleich und weckt falsche Erwartungen bei Anlegern. Innerhalb der europäischen Union werden Bankguthaben bis zu 100.0000 € durch die Einlagensicherung besonders geschützt. 

Die Anlageklasse P2P Kredite bietet ihren Anlegern keine vergleichbare Sicherheit. Anders wäre auch nicht zu rechtfertigen, wie Anleger mit P2P Krediten teilweise Renditen von bis zu 15 % p. a. erzielen können.

Wenn Du überlegst in P2P Kredite zu investieren, solltest Du die 3 wichtigsten Risiken kennen. Wir stellen sie Dir in diesem Artikel vor.

Kreditausfallrisiko

Das Kreditausfallrisiko beschreibt das Risiko, dass ein Kredit komplett oder teilweise ausfällt. Ein Ausfall ist so definiert, dass ein Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann.

Das Kreditausfallrisiko und Kreditgeschäft sind unzertrennlich. Es werden immer wieder Kreditnehmer ihren Verpflichtungen nicht nachkommen können.

Auch bei P2P Krediten kommt es immer wieder zu Verzögerungen und zu einem anschließenden Ausfall des Kredits. Je nach Plattform und Ratings fallen durchschnittlich zwischen 5 % - 15 % der vermittelten Kredite aus.

Das Kreditausfallrisiko kann Deine Rendite beim Investieren in P2P Kredite reduzieren. Zu viele Kreditausfälle können sogar zu negativen Renditen führen.

Wie gehen Banken mit dem Kreditausfallrisiko um?

Banken gehen im Kreditgeschäft immer von einem Anteil an Krediten aus, die im Durchschnitt ausfallen werden. Das wird als erwarteter Kreditverlust (Expected Credit Loss) bezeichnet. Der erwartete Verlust wird von den Banken unter anderem durch Ratings (Note für die Kreditwürdigkeit) gesteuert.

Je niedriger die Kreditwürdigkeit eines Kreditnehmers ist, desto höher ist der erwartete Kreditverlust. 

Das erhöhte Risiko wird von Banken ausgeglichen, indem sie höhere Zinsen von den Kreditnehmern verlangen. Manche Banken gehen sogar soweit, dass sie erst gar keine Kredite an Kreditnehmer vergeben, die nicht eine minimale Kreditwürdigkeit haben. Das ist der typische SCHUFA-Fall, wenn eine Bank den Kredit verweigert, sobald der Kreditnehmer nur einen SCHUFA-Eintrag hat, unabhängig von der Schwere des Eintrags.

Viel dramatischer für Banken ist der unerwartete Kreditverlust (Unexpected Credit Loss). Das sind Verluste aus Krediten, die überdurchschnittlich hoch sind. Wird eine Bank von unerwarteten Kreditverlusten mehrfach und im großen Umfang getroffen, droht die Pleite (Moratorium) der Bank.

Banken versuchen zwar aktiv dem Risiko von unerwarteten Kreditverlusten entgegenzuwirken, können es aber nicht komplett ausschließen, wie die Finanzkrise im Jahr 2007 gezeigt hat.

Plattformrisiko

Das Plattformrisiko beschreibt das Risiko, dass eine Plattform pleitegehen kann. Sollte es zu einer Insolvenz von einer P2P Plattform kommen, auf der Du in P2P Kredite investiert hast, kann das im schlimmsten Fall zu einem Totalausfall Deiner Anlagen auf der Plattform führen.

Wenn die Hauptaufgabe der meisten Plattformen die bloße Vermittlung von P2P Krediten ist, stellt sich relativ schnell die Frage, wie es überhaupt so einer dramatischen Situation kommen kann?

Schneeballsystem (Ponzi-Schema) bei unseriösen P2P Plattformen

Das Plattformrisiko ist bei unseriösen P2P Plattformen zu beobachten, die als Ziel haben, ein Schneeballsystem (Ponzi-Schema) aufzubauen. Bei diesem betrügerischen System gibt es keine wirkliche Geschäftstätigkeit.

Schneeballsystem bei P2P Plattformen - Infografik

Vereinfacht funktioniert ein Schneeballsystem bei einer P2P Plattform wie folgt: Anleger bringen neues Geld auf die Plattform, um es in P2P Kredite zu investieren. Das Kapital wird aber nicht in P2P Kredite angelegt. Verdeckt von der Öffentlichkeit führen die Betreiber der Plattform Gelder auf private Konten Gelder ab, um sich zu bereichern. Die vermeintlichen Zinsen und Tilgungen, die Investoren erhalten, stammen wiederum aus Geldern von neuen Nutzern.

Das System fällt dann plötzlich in sich zusammen, wenn gleichzeitig viele Nutzer ihr Geld abheben möchten. In dieser Situation kommt zum Vorschein, dass sehr viel Geld fehlt und nicht alle Nutzer ausgezahlt werden können. Leider ist es dann schon zu spät und viele Anleger bleiben auf ihren Verlusten sitzen.

Insolvenz der P2P Plattformen envestio und Kuetzal

Die Plattformen envestio und Kuetzal mussten im Jahr 2020 Insolvenz anmelden. Bei beiden Plattformen war zu beobachten, dass sie um neue Investoren mit auffällig hohen Renditen geworben haben. Teilweise wurden Renditen von über 20 % versprochen.

Mit der Zeit entdeckten Investoren auf den Plattformen Kredite von Firmen, die es gar nicht gab. Das ging vereinzelt soweit, dass “Fantasie-Firmen” erfunden wurden.

Derzeit wird sich noch darüber gestritten, ob es sich bei den Plattformen um Schneeballsysteme (“Scams”) gehandelt hat. Dass beide Plattformen genau dann in sich zusammengefallen sind, als besonders viele Nutzer zu Beginn der Corona-Krise ihre Gelder abgezogen haben, ist wiederum ein sehr starker Hinweis, dass es sich bei beiden Plattformen um Schneeballsysteme gehandelt hat.

Kontrahentenrisiko (Darlehensanbahner geht pleite)

P2P Kontrahentenrisiko

Das Kontrahentenrisiko ist bei P2P Plattformen relevant, die als Marktplatz agieren. Das sind Plattformen, die nicht selbst Kredite vermitteln, sondern Kredite von Darlehensanbahnern. Das Kontrahentenrisiko beschreibt das Risiko, dass ein Darlehensanbahner Insolvenz anmeldet.

Kommt es zu einer Insolvenz eines Darlehensanbahners, können alle Kredite, die über diesen Darlehensanbahner vermittelt wurden, auf einen Schlag ausfallen und wertlos sein.

Pleite von Eurocent auf Mintos

Dass eine Pleite von einem Darlehensanbahner ein reales Risiko ist, hat die Pleite des Darlehensanbahners Eurocent auf der P2P Plattform Mintos gezeigt. 

Nachdem Eurocent seine fällige Unternehmensanleihe am 08.06.2017 nicht zurückzahlen konnte, war die Insolvenz des Darlehensanbahners unvermeidlich. Die Platzierung von neuen Krediten wurde auf Mintos am 26.06.2017 ausgesetzt.

Die Rückkaufgarantien (Buyback Garantien) waren auf einen Schlag nichts mehr wert und es kam zu ersten Verlusten bei Investoren. Mintos bemühte sich in den Folgemonaten um Transparenz und berichtete relativ häufig zu den letzten Entwicklungen. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand ging aber auch die Berichterstattung immer mehr zurück.

In so einem Fall ist davon auszugehen, dass die Gläubiger der Unternehmensanleihe und weitere Gläubiger zuerst aus der Insolvenzmasse bedient werden - vor den Investoren auf Mintos. Die Investoren auf Mintos müssen von einem Totalverlust ihres eingesetzten Kapitals ausgehen.

Fazit und Zusammenfassung

In diesem Artikel haben wir Dir die drei wichtigsten Risiken der Anlageklasse P2P Kredite vorgestellt.

Es ist an dieser Stelle wichtig zu betonen, dass die Anlageklasse P2P Kredite auch große Chancen bietet, denn Du kannst nachhaltige Renditen von bis zu 12 % p. a. erzielen. Andere Investoren sind bereits seit Jahren erfolgreich in P2P Kredite investiert.

Erfolgreiche Anleger kennen die Risiken von ihren Investitionen und betreiben ein aktives Risikomanagement, um nachhaltige Renditen zu erwirtschaften.

Nach dem Du diesen Artikel gelesen hast, solltest Du Dir darüber im Klaren sein, dass Kredite, Plattformen und Darlehensanbahner ausfallen können. Daher wäre es zum Beispiel für Dich nicht sinnvoll, Dein Kapital in nur einen P2P-Kredit, auf einer Plattform, von nur einem Darlehensanbahner zu investieren.

Genau das Gegenteil ist der Fall, Du solltest Dein Geld über mehrere Plattformen, über möglichst viele Darlehensanbahner und Kredite verteilen. Diese Vorgehensweise wird auch als Diversifikation (Streuung) bezeichnet, um die zu erwartenden Risiken soweit wie möglich zu reduzieren.

Wenn Du auch erfolgreich in P2P Kredite investieren möchtest, empfehlen wir Dir unseren P2P Kredite Guide.