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Was ist “Marktkapitalisierung”? Einfach erklärt

Verfasst von

Reza Machdi-Ghazvini,CAIA

Finanzexperte

Die Marktkapitalisierung, englisch Market Cap, ist der aktuelle Börsenwert eines Aktienunternehmens. Er ergibt sich, indem der aktuelle Aktienkurs und die gesamte Aktienanzahl multipliziert werden. 

Da sich der Aktienkurs täglich ändert, ändert sich auch der Wert der Marktkapitalisierung ständig.

Investor*innen nutzten die Marktkapitalisierung, um die Größe eines Unternehmens festzustellen und somit das Risiko einer Investition besser beurteilen zu können.

In diesem Artikel erfährst du mehr über: 

Grafik: Marktkapitalisierung - Small-Cap, Mid-Cap und Large-Cap

Small-Cap, Mid-Cap und Large-Cap: Kategorien kurz erklärt

Börsennotierte Unternehmen lassen sich anhand ihres Marktkapitals (englisch "Market Capitalisation" oder kurz "Market Cap")  in drei verschiedene Kategorien einordnen:

  • Small-Cap

  • Mid-Cap

  • Large-Cap

Als Large-Cap werden die größten Unternehmen an der Börse, gemessen an der Marktkapitalisierung, bezeichnet. Faktisch stellen diese in den meisten Fällen auch tatsächlich die größten und wichtigsten Unternehmer der Welt dar. 

Large-Cap Unternehmen haben normalerweise eine Marktkapitalisierung von über 10 Milliarden Dollar. 

Diese Aktiengesellschaften gelten als sehr krisensicher und risikoarm, da die Unternehmen nicht nur etabliert sind, sondern auch über große finanzielle Reserven verfügen. 

Gleichzeitig verfügen diese Firmen aber auch über ein geringeres Wachstumspotenzial. Von dieser Regel gibt es aber natürlich Ausnahmen.

Zu den Large Caps gehören zum Beispiel Apple, Microsoft und Google, aber auch deutsche Unternehmen wie SAP und Volkswagen.  

Mid-Caps verfügen in der Regel über eine Marktkapitaliserung zwischen 2 Milliarden USD und 10 Milliarden USD. 

Diese Firmen verfügen über ein größeres Wachstumspotenzial als die Large-Caps. 

Allerdings wird diesen Unternehmen, auf Grund der im Vergleich geringeren finanziellen Mittel, auch ein höheres Investmentrisiko als den Large-Caps bescheinigt. 

Small-Caps werden häufig nach einer Marktkapitalisierung zwischen 300 Millionen USD und 2 Milliarden USD kategorisiert. 

Diese Unternehmen bergen ein zum Teil hohes Investitionsrisiko, verfügen gleichzeitig aber auch über das größte Wachstumspotential. 

Beispiel: Wie berechnet man die Marktkapitalisierung?

Wie bereits erwähnt, stellt die Marktkapitalisierung den aktuellen Gesamt-Börsenwert eines Unternehmens dar. 

Der Wert der Marktkapitalisierung ergibt sich daher aus der Multiplikation der Anzahl der verfügbaren Aktien mit ihrem aktuellen Börsenwert.

Marktkapitalisierung = Aktienanzahl * aktueller Aktienwert

Das lässt sich anhand eines Beispiels ganz einfach darstellen:

  • Beispiel: Microsoft Aktien 

  • 7,46 Milliarden Aktien im Umlauf

  • Preis von 264,46 USD pro Aktie

Die Marktkapitalisierung berechnet sich dann wie folgt: Aktienanzahl x Aktienwert = 7.460.000.000 x 264,46 USD = 1.972.871.600.000 USD (1,97 Billionen USD)

Die Marktkapitalisierung von Microsoft würde in diesem Beispiel also ca. 2.000 Milliarden Euro betragen. Microsoft ist somit ganz klar ein Large-Cap.

Was sagt die Marktkapitalisierung aus?

Investoren beurteilen eine Aktie und schauen sich Marktkapitalisierung an

Die Marktkapitalisierung sagt aus, wie viel ein Unternehmen aktuell an der Börse wert ist. 

Wie bereits erwähnt, nutzen Investor*innen diesen Wert gerne, um Firmen nach Large-, Mid-, und Small-Cap Unternehmen einzuteilen und so das Risiko gegen einen möglichen Ertrag eines Investments einzuschätzen. 

Dabei ist es jedoch wichtig zu beachten, dass die Marktkapitalisierung eben nicht den realen Wert, sondern nur den Börsenwert eines Unternehmens darstellt. 

Der Börsenwert eines Unternehmens ist abhängig von Angebot und Nachfrage, also im Endeffekt von der Bewertung der Anleger*innen eines Unternehmens. 

Diese Bewertung entspringt aber oft kurzfristigen Trends, Vorurteilen und eventuell mangelhaften Analysen. 

Das führt wiederum dazu, dass viele Unternehmen an der Börse über- oder unterbewertet.

Die Marktkapitalisierung ist sicherlich ein nützliches Werkzeug für die Risikoanalyse eines Investments und darüber hinaus ein wichtiges Indiz für Größe und Finanzkraft eines Unternehmens. Der wahre Wert eines Unternehmens kann damit allerdings nicht festgestellt werden. 

Denn um wirklich zu bestimmen, wie wertvoll ein Unternehmen ist, müssen umfangreiche Analysen der Geschäftsbilanzen, der Produkte, der Marktverhältnisse und vieler anderer Faktoren durchgeführt werden. 

So kann ein Unternehmen mit einer deutlich höheren Marktkapitalisierung zum Beispiel deutlich weniger Gewinn erwirtschaften oder deutlich weniger zukunftsfähig sein, als eine Firma mit einer geringeren Marktkapitalisierung. 

Der echte Unternehmenswert einer Firma hängt also von deutlich mehr Faktoren als nur dem Börsenwert bzw. der Marktkapitalisierung ab. 

Was bringt eine hohe Marktkapitalisierung?

Eine hohe Marktkapitalisierung sorgt in erster Linie dafür, dass das Unternehmen attraktiv auf mögliche Investor*innen wirkt und so weiteres Kapital anzieht. 

Das bedeutet wiederum, dass die Aktien dieses Unternehmens mit einer hohen Frequenz gehandelt werden und so tendenziell deutlich niedrigeren Kursschwankungen unterliegen. 

Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung werden hingegen seltener gehandelt. 

Das wiederum führt dazu, dass eine größere Transaktion sofort einen deutlich größeren Einfluss auf den Kurs eines Unternehmens hat - Kursschwankungen fallen so drastischer aus, als bei den Large-Caps. 

Deswegen werden Investitionen in Large-Caps oft mit einem niedrigeren Risiko verbunden, als Anlagen in Mid- oder gar Small-Caps. 

Dabei solltest du aber die im vorherigen Absatz angesprochenen Punkte bedenken. 

Eine hohe Marktkapitalisierung sagt nichts über die zukünftige Performance eines Unternehmens aus und ist kein Garant für zukünftige Profite. 

Die Marktkapitalisierung sollte daher nicht dein einziges Entscheidungskriterium bei einem Investment sein. 

Nokia ist dafür ein hervorragendes Beispiel. 

Der finnische Mobilfunkhersteller war Anfang der 2000er-Jahre für 70 % der gesamten Marktkapitalisierung der Mobilfunkbranche verantwortlich. 

Als Nokia allerdings den Einstieg in das Smartphone Geschäft verpasste, begann der Kurs des Unternehmens schon bald zu kollabieren. 

Heute ist von der einstigen Markendominanz nichts mehr übrig, Nokia spielt auf dem Weltmarkt keine Rolle mehr. 

Du solltest dir daher unbedingt merken, dass eine hohe Marktkapitalisierung alleine kein Garant für eine sichere Zukunft ist. 

Wie hoch sollte die Marktkapitalisierung sein?

Wie hoch die Marktkapitalisierung eines Unternehmens, in das du investieren willst, sein sollte, hängt ganz von deiner Risikobereitschaft ab. 

Wie bei allen anderen Investments steigt auch bei der Marktkapitalisierung der potenzielle Gewinn mit dem Risiko. 

Das stellt sich so dar: 

  • Large-Cap: Geringeres Risiko, geringes potenzielles Wachstum

  • Mid-Cap: Mittleres Risiko, Mittleres  potenzielles Wachstum

  • Small-Cap: Höchstes Risiko, höchstes potenzielles Wachstum

Ob du dich also für ein Large-Cap, Mid-Cap oder Small-Cap Unternehmen entscheiden solltest, hängt ganz von deiner persönlichen Risikobereitschaft, deinem Kapital sowie deiner Anlagestrategie ab. 

Was ist mit Aktien mit niedriger Marktkapitalisierung oft der Fall?

Bei Firmen mit einer niedrigen Marktkapitalisierung handelt es sich meistens um kleine Unternehmen, die noch nicht so einen hohen Wert wie die Large-Cap Firmen haben. 

Es gibt aber eine Ausnahme von dieser Regel. 

Denn eine niedrige Marktkapitalisierung kann darüber hinaus auch ein Indiz für einen niedrigen Streubesitz sein. Zum Streubesitz zählen alle Aktien, die von vielen kleineren Investor*innen gehandelt werden können, also nicht im Besitz von Großaktionären sind. Ein niedriger Streubesitz kann also auf Unternehmenskäufe oder eine feindliche Übernahme schließen lassen. 


Investieren nach Marktkapitalisierung: Vorteile und Nachteile im Überblick

Viele Investoren verwenden die Marktkapitalisierung eines Unternehmens bzw. die Einteilung nach Large-Cap, Mid–Cap und Small-Cap für das Erstellen einer Anlagestrategie. 

Das kann Vor- und Nachteile haben. 

Wenn du dich für ein Investment an der Marktkapitalisierung von Unternehmen orientierst, dann hat das unter anderem den Vorteil, dass damit eine unglaublich schnelle und relativ simple Risikoanalyse möglich ist. 

Je größer die Marktkapitalisierung, desto geringer sind Risiko und Wachstumspotential und vice versa. 

Darüber ist die Marktkapitalisierung eine tolle Option, um die Bedeutung bzw. die Dominanz eines Unternehmens in einer gewissen Branche festzustellen. 

Solltest du also nur an einem Investment in Branchenführer interessiert sein, dann macht ein Investieren nach Marktkapitalisierung durchaus Sinn. 

Solltest du dich bei deiner Aktienanlage allerdings ausschließlich auf diesen Faktor konzentrieren, dann hat das auch Nachteile. 

Wie wir bereits gezeigt haben, ist die Marktkapitalisierung für sich alleine kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Entwicklung eines Unternehmens.

Auch wenn ein Unternehmen als Large-Cap gilt, kann dieses dennoch innerhalb weniger Jahre in die Bedeutungslosigkeit rutschen - an der Stelle würden wir das Beispiel von Nokia noch mal erwähnen.

Dasselbe gilt aber auch andersherum: Die Marktkapitalisierung ist nicht geeignet, um den tatsächlichen Wert eines Unternehmens darzustellen und viele Unternehmen sind deutlich erfolgreicher, als es ihre Marktkapitalisierung vermuten ließe.

Darüber hinaus hat ein ausschließliches Investment in Large-Cap Unternehmen den Nachteil, dass du dabei nur in Unternehmen mit geringem Wachstumspotential investierst. 

Das Gesamtrisiko ist dadurch natürlich auch geringer, was aber auch für den möglichen Gewinn gilt.

Für eine bessere Übersicht haben wir die wichtigsten Vor- und Nachteile dieser Investitionsmethode in den folgenden Absätzen noch einmal zusammengefasst. 

Vorteile:

  • Simple und schnelle Risikoanalyse

  • Gute Option, um Unternehmen derselben Branche zu vergleichen

  • Ermöglicht schnellen Überblick über den Markt 

Nachteile: 

  • Marktkapitalisierung kein verlässlicher Indikator für zukünftige Performance

  • Small-Cap oft mehr Entwicklungsmöglichkeiten

  • Stellt nicht unbedingt den tatsächlichen Wert eines Unternehmens dar 


Häufig gestellte Fragen

Damit du alle wichtigen Informationen zum Thema Marktkapitalisierung immer schnell und zuverlässig findest, haben wir in den folgenden Absätzen die am häufigsten gestellten Fragen und deren Antworten zusammengefasst. 

1: Ist Marktkapitalisierung gleich Eigenkapital?

Nein, Marktkapitalisierung ist nicht gleich Eigenkapital. 

Denn das Eigenkapital stellt den tatsächlichen Wert eines Unternehmens dar, abzüglich aller Schulden und Verpflichtungen. 

Die Marktkapitalisierung setzt sich hingegen aus dem Börsenkurs des Unternehmens, also aktuellem Angebot und Nachfrage zusammen und ist damit deutlich höheren Schwankungen unterworfen als das Eigenkapital. 

2: Ist Marktwert gleich Marktkapitalisierung?

Ja, Marktwert bedeutet das gleiche wie Marktkapitalisierung: Der Gesamt-Börsenwert eines Unternehmens, der sich aus der Multiplikation von aktuellem Aktienkurs und der gesamten Aktienanzahl ergibt.

3: Welches Unternehmen hat die höchste Marktkapitalisierung?

Wenig überraschend verfügen die größten US-Technologiekonzerne auch über die höchste Marktkapitalisierung auf dem globalen Aktienmarkt. 

Spitzenreiter ist dabei Apple, mit einer aktuellen Marktkapitalisierung von über 2 Billionen $, gefolgt von Microsoft, Google (Alphabet) und Amazon.

Davon gibt es eine Ausnahmen: Saudi Aramco. 

Die derzeit die größte Erdöl Fördergesellschaft der Welt, mit Unternehmenssitz in Saudi Arabien, verfügt über einen Market Cap von ca. 2 Billionen $ und ist damit auf Platz 2 der Liste, direkt hinter Apple. 

Allerdings wird ein Großteil der Saudi Aramco Aktien vom Staat gehalten und ist auf dem freien Markt nicht verfügbar. 

In den meisten Vergleichslisten wird die Marktkapitalisierung von Saudi Aramco daher nicht geführt, da sich deren Wert nicht mit den anderen oben aufgeführten Unternehmen vergleichen lässt. 

Fazit

Anhand der Marktkapitalisierung kannst du ablesen, wie hoch der Börsenwert eines Unternehmens ist. 

Dieser "Market Cap" ergibt sich aus der Multiplikation von aktuellem Aktienkurs und der gesamten Aktienanzahl. 

Das ist wichtig für die erste Einschätzung eines Investments - sollte aber in keinem Fall der alleinige oder wichtigste Entscheidungsfaktor sein. 

Falls du noch weitere Fragen zum Thema Marktkapitalisierung oder der Finanzwelt im Allgemeinen hast, schaue dir unsere Ratgeber und Artikel rund um Geldanlage, wie Aktien, ETFs oder P2P Kredite, an.

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Zuletzt aktualisiert am 27 September 2022

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