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Was du über eine Geldanlage bei der Sparkasse wissen solltest

Verfasst von

Reza Machdi-Ghazvini,CAIA

Finanzexperte

Geldanlage bei der Sparkasse

Die Beratung von Kund*innen bei den Sparkassen läuft in den meisten Fällen nach einem gleichen Muster ab.

Nach einem kurzen Beratungsgespräch werden Kund*innen typischerweise Anlageprodukte von Finanzdienstleistern angeboten, die Teil des Sparkassenverbands sind.

Dabei hat die Vergangenheit gezeigt, dass viele Anleger mit anderen Anlageprodukten erheblich bessere Renditen erzielt hätten.

Wir schauen uns gemeinsam an, was eine Beratung bei der Sparkasse kostet, wie eine Beratung bei der Sparkasse meistens abläuft und ob die Geldanlage bei der Sparkasse zurecht so einen schlechten Ruf hat.

Abschließend stellen wir dir 3 Alternativen zu einer Geldanlage bei einer Sparkasse vor.

Ist eine Beratung bei Geldanlagen in der Sparkasse kostenlos?

Die meisten Sparkassen werben offen damit, dass sie ihre Kunden kostenlos beraten.

Das klingt zwar erst einmal gut, ist aber unserer Meinung nach nicht ganz korrekt.

Erstens, bezahlen Kund*innen die Beratung indirekt über die Kontoführungsgebühren, denn nach wie vor berechnen fast alle Sparkassen ihren Kund*innen vergleichsweise hohe Gebühren.

Und zweitens werden die Gebühren für die Beratung in die vorgeschlagenen Anlageprodukte mit hineingerechnet.

Entweder in Form einer direkten Vergütung, zum Beispiel durch einen Ausgabeaufschlag, oder durch eine laufende Gebühr.

Kritiker*innen sprechen in diesem Zusammenhang oft von versteckten Gebühren, während Kund*innen eine kostenlose Beratung versprochen wird.

Soweit würden wir an der Stelle nicht gehen, aber es ist ein wenig irreführend von einer kostenlosen Beratung angeboten wird, die letztendlich nicht kostenlos ist.

Wie eine "Beratung" bei Geldanlagen in der Sparkasse meistens abläuft

Das Beratungsgespräch beginnt typischerweise damit, dass dich der oder die Sparkassenberater*in fragt, welche Ziele du mit deinen Geldanlagen erreichen möchtest.

Typische Anlageziele in diesem Zusammenhang sind oft:

  • etwas Geld für später zurücklegen,

  • für die Rente vorsorgen und

  • Vermögen bilden.

Je nachdem, was du dem Berater*in sagst, wird er dir im Anschluss ein paar Anlageprodukte vorschlagen und deine Erfahrungen mit den einzelnen Anlageprodukten abfragen.

Insbesondere wenn du noch neu bei dem Thema bist, kann es dir passieren, dass der Berater*in dir von direktanlagen in Aktien oder Renten dringend abraten wird.

Das ist zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig.

Da aber die meisten Sparkassen ein großes Eigeninteresse daran haben, verbandseigene Produkte zu verkaufen, wird gerne besonders stark auf das hohe Risiko von direktanlagen hingewiesen.

Hierzu gehören oft Sparanlagen, Investmentfonds und Versicherungen, die wiederum von Unternehmen angeboten werden, die zum Sparkassenverband gehören.

Bekannte Unternehmen, die zum Sparkassenverband gehören, sind unter anderem die Deka und SV Sparkassenversicherung Holding.

Sind Geldanlagen bei der Sparkasse wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Das lässt sich gar nicht so einfach beantworten, denn es gibt in Deutschland 376 Sparkassen, die sich teilweise sehr stark voneinander unterscheiden.

So bieten manche Sparkassen nur verbandseigene Produkte an und andere wiederum zeigen sich etwas offener und bieten auch Anlageprodukte von anderen Finanzdienstleistern an.

Des Weiteren ist es zwar richtig, dass die Sparkassen ihre Beratungsgebühren in die Anlageprodukte reinrechnen, aber wiederum sind auch viele Kund*innen nicht bereit, ein Beratungshonorar für Geldanlageberatungen zu bezahlen.

Worüber es aber einen relativ sicheren öffentlichen Konsens gibt, ist die Qualität der Anlageprodukte von der Deka.

Die Deka bietet vorwiegend Investmentfonds an, die wiederum in hoher Zahl in Beratungsgesprächen der Sparkassen angeboten werden.

So steht die Deka immer mal wieder im Rampenlicht, wenn es um die mangelnde Qualität der angebotenen Investmentfonds geht.

Es lässt sich zwar nicht verallgemeinern, dass alle Geldanlagen bei der Sparkasse grundsätzlich schlecht sind, aber wenn dir Deka Fonds angeboten werden, solltest du dir die Investmentfonds genau anschauen.

Auch musst du dir darüber im Klaren sein, dass die Beratung bei der Sparkasse nicht kostenlos ist und du mittel- bis langfristig relativ hohe Gebühren für die angebotenen Anlageprodukte (Fonds und Versicherungen) bezahlen musst.

Des Weiteren können wir die grundsätzliche Kritik, dass die meisten Sparkassen primär ihre verbandseigenen Anlageprodukte verkaufen wollen, anstatt bedarfsgerecht zu beraten, nicht völlig verneinen.

1. Alternative: Finanzen selbst in die Hand nehmen

Alternative: Geldanlage selbst in die Hand nehmen

Die erste Alternative zu einer Geldanlage bei einer Sparkasse ist naheliegend: du legst dein Geld selbst an.

Anders als du eventuell annimmst, ist das keine Raketenwissenschaft, aber es gibt auch ein paar Dinge, die du unbedingt beachten musst.

Zu Beginn ist deswegen wichtig, dass du dich ein wenig mit der Thematik befasst.

Zunächst solltest du dir ein paar Grundlagen zu Geldanlagen und ETFs anlesen.

Du kannst dir bereits mit 1-3 simplen ETFs ein Anlageportfolio zusammenstellen, mit dem du wichtige Grundsätze beim Geldanlegen einhalten kannst.

Im Anschluss kannst du dein Wissen vertiefen, indem du dich zu Geldanlagen wie Aktien, Fonds und auch alternative Geldanlagen weiter bildest.

2. Alternative für kleinere Vermögen und Sparbeträge: Robo Advisor

Alternative: Robo Advisor

Falls du dich nicht mit Geldanlagen auseinandersetzen möchtest, kannst du dein Geld über Robo Advisor anlegen.

Bei einem Robo Advisor wird dein Geld in vollautomatisierte, meistens reine ETF-Strategien angelegt.

Du musst dich nur zu Beginn für eine Anlagestrategie entscheiden, die sich meistens aufgrund ihres Rendite- und Risikoprofils unterscheiden.

Ähnlich wie Sparkassen arbeiten Robo Advisor aber auch nicht umsonst und berechnen für ihre Dienstleistungen eine Gebühr.

Die Gebühren für Robo Advisor liegen durchschnittlichen zwischen 0,50 % - 1 % p.a. vom verwalteten Vermögen.

Aber gerade für mittel- bis langfristige Geldanlagen sind Robo Advisor viel günstiger als eine Geldanlage bei Sparkassen.

3. Alternative für mittlere bis größeren Vermögen: Vermögensverwaltung

Ab größeren Vermögen von 100.000 € oder mehr ergibt es Sinn, wenn du über eine professionelle Vermögensverwaltung nachdenkst.

Über die Vermögensverwalter-Suche des Verbands für unabhängige Vermögensverwalter kannst du einen Vermögensverwalter in deiner Nähe finden.

Ein Vermögensverwalter kümmert sich dann um deine Geldanlagen.

Ähnlich wie Robo Advisor arbeitet ein Vermögensverwalter auch nicht umsonst.

Je nach Vereinbarung liege die Gebühren bei einer Vermögensverwaltung zwischen 1,5 % - 2 % p. a. vom verwalteten Vermögen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass du dich an eine richtige Vermögensverwaltung wendest und nicht an einen Finanzmakler, der ähnlich wie eine Sparkasse berät und vergütet wird.

Eine Vermögensverwaltung wird auch von vielen Sparkassen angeboten.

Meistens wird die Vermögensverwaltung von Sparkassen als Private Banking oder Private Wealth Banking bezeichnet.

Fazit

In diesem Artikel haben wir dir gezeigt, was du über eine Geldanlage bei einer Sparkasse wissen solltest.

dir ist jetzt bewusst, dass auch Sparkassen ein gewisses Eigeninteresse haben, wenn sie ihre Kund*innen beraten. du verstehst zudem, was sich hinter dem "kostenlosen" Beratungsangebot bei Sparkassen verbirgt.

Außerdem haben wir dir 3 Alternativen vorgestellt, mit denen du dein Geld selbst oder verwalten lassen kannst.

Bist du noch neu bei dem Thema Geldanlagen, empfehlen wir dir unseren Geldanlage Ratgeber.

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Zuletzt aktualisiert am 23 Juni 2022