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Wie du als Einsteiger Schritt für Schritt in ETFs investierst

Verfasst von

Johannes Florian Lang

Freelance Editor

Geprüft von Geprüft von

Reza Machdi-Ghazvini,CAIA

Finanzexperte

Wie du als Einsteiger Schritt für Schritt in ETFs investierst

Wohl kaum ein Anlageinstrument wird so sehr missverstanden wie der ETF.

Gerade Einsteiger mit wenig Erfahrung unterschätzen das Potenzial von ETFs und berücksichtigen sie daher oft nur ungenügend. 

Die Vorteile, welche sich hinter diesem ominösen Begriff verstecken, können jedoch nicht geleugnet werden.

Genau das ist auch der Grund, weshalb sich in letzter Zeit ein regelrechter Trend um ETFs bildet.

Wie auch du von dieser Entwicklung profitieren kannst, erfährst du hier.

Was sind ETFs? Einfach erklärt

Die Bezeichnung ETF stammt aus dem Englischen und steht für Exchange Traded Funds und ist nichts mehr als ein Indexfonds – Also ein Geldmittelbestand, dessen Zweck sich in der Nachbildung echter Indizes findet. 

Indizes sind Kennzahlen, welche den Wert ausgewählter Börsenwerte angeben.

Eventuell hast du schon von bekannten Indizes, wie dem Deutschen Aktienindex (DAX), dem S&P 500 oder dem Dow-Jones-Index gehört. 

Indizes können nach den verschiedensten Kategorien wie Branche, Region oder bestimmten unternehmerischen Grundlagen gerichtet sein.

Sie erlauben es, sich einen übersichtlichen und unkomplizierten Blick über die Wirtschaftslage eines gewissen Bereiches zu verschaffen.

Das birgt für Anleger enorme Chancen, da auf eine, in einen bestimmten Zweig gebündelte Ansicht, fokussiert werden kann. 

Ein Index ist allerdings nur eine Kennzahl und kein eigentliches Finanzinstrument im engeren Sinne, in das effektiv investiert werden kann.

Hier kommt der ETF ins Spiel. Mit einem ETF investierst du zwar nicht in den Index selber, jedoch in ein „Konto“ (Fonds), der eine Art Kopie des realen Index darstellt.

ETFs finden sich für praktisch alle relevanten Indizes und lassen dich die attraktivsten Indizes in deinem Portfolio nachstellen.

Sind ETFs für Einsteiger*innen geeignet?

Allein der Begriff ETF hört sich für viele Einsteiger*innen schon zu kryptisch an, um sich überhaupt ernsthaft mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Dieser Verzicht kommt aber oft mit hohen Opportunitätskosten, da ETFs gerade für Einsteiger*innen und Anleger*innen mit kleinem Budget besonders interessant sein können.

So ist unter anderem die Reduktion des Anlagerisikos ein zentrales Anliegen vieler neuer Investor*innen. 

Um den optimalen Mix aus Rendite, Liquidität und Diversifizierung zu erhalten ist jedoch ein gewisses Maß an Fachkenntnissen unumgänglich.

In Gegenüberstellung mit Aktien allerdings sind bei der Diversifizierung der Anlage in ETFs kaum Vorkenntnisse nötig.

Du hast dein Investment in jedem ETF bereits um ein Vielfaches diversifiziert, viel mehr als dies bei dem Kauf einer Aktie je der Fall sein wird. 

Auch wenn der ETF deiner Wahl noch so spezialisiert auf eine bestimmte Branche ist, besteht ein kleineres Klumpenrisiko als beim Kauf einer einzelnen, gleichpreisigen Aktie.

Die wichtigsten Begriffe und Kennzahlen, die ETF Einsteiger*innen kennen sollten

Wichtige ETF Kennzahlen und Begriffe

Die Eintrittsschwelle in die Welt der ETFs gehört zu den niedrigsten des gesamten Finanzbereichs.

Dennoch solltest du dich als ETF Einsteiger mit den fundamentalen Begriffen des Jargons anfreunden.

Die wichtigsten Bezeichnungen haben wir dir nachfolgend samt einer bündigen Erklärung aufgelistet:

Wichtige Begriffe bei ETFs

  • Fonds: Ein Fonds ist ein Bestand an Kapital, das in bestimmte Bereiche investiert wird. Anleger*innen können in Fonds einzahlen und erhoffen sich im Gegenzug eine Rendite. ETFs sind eine Unterart der Fonds und bilden Indizes nach.

  • Fondsmanager: Neben passiven Fonds, wie unter anderem den ETFs, welche Indizes nachstellen, existieren auch aktiv gemanagte Fonds. In einem aktiv gemanagten Fonds trifft ein sogenannter Fondsmanager die Entscheidungen darüber, wie das Fondskapital angelegt wird. Portfoliomanager ist ein weiterer Begriff für Fondsmanager.

  • Index: Der Index (pl. Indizes) ist eine Kennzahl, welche den Wert einer bestimmten Gruppe an Aktien angibt. Der Deutsche Aktienindex DAX gibt etwa Aufschluss über den Börsenwert der 40 größten deutschen Unternehmen.

  • Aktien: Aktien sind Anteilsscheine an einer Unternehmung. Zur Kapitalbeschaffung geben Unternehmen diese Anteilsscheine aus und geben dem Käufer im Gegenzug ein proportionales Mitspracherecht an der Unternehmung. Aktien von börsennotierten Unternehmen können an der Börse zum aktuellen Marktpreis gehandelt werden.

  • Anleihen: Eine Anleihe ist ein Wertpapier, das der Aktie ähnliches ist, jedoch ohne Mitspracherecht. Der Käufer erhält zudem festgelegte Zinszahlungen und das Anrecht auf Rückerhaltung des Kapitals nach einer bestimmten Zeitperiode.

  • Wertpapiere: Ein Wertpapier ist eine handelbare Urkunde, welches eine gewisse Schuldenlage bestätigt. Beispiele für Wertpapiere sind Aktien, Anleihen und ETFs.

  • Rendite: Die Rendite ist der Gewinn in Prozent, den Anleger*innen auf ihrem Kapital erzielen.

  • Dividende: Aktiengesellschaften erstellen für gewöhnlich jährlich einen Gewinnverteilungsplan, in welchem die Verwendung des Gewinns geregelt wird. Viele Unternehmen zahlen einen bestimmten Prozentsatz dieses Gewinns an ihre Aktionäre aus. An der Aktionärsversammlung hast du als Aktionär übrigens ein Mitstimmrecht darüber, wie der Jahresgewinn verwendet wird. 

Mitstimmrecht oder Dividenden existieren bei ETFs allerdings nicht.

Wichtige Kennzahlen bei ETFs

  • Fondsvolumen: Das Fondsvolumen ist der Gesamtkapitalwert, de einen Fonds umfasst. Er darf nicht mit dem Marktwert der Fondsgesellschaft verwechselt werden und sollte bei ETFs als Faustregel mindestens 100 Millionen US-Dollar betragen.

  • TER: TER steht für „Total Expense Ratio" und gibt den prozentualen, laufenden Kostenanteil der Fondsgesellschaft an. Je höher dieser Wert liegt, desto mehr wird dir von deiner Rendite vorbehalten bleiben. ETFs haben mit ca. 0,2 % - 0,5 % im Vergleich zu anderen Anlageinstrumente einen sehr tiefen TER. Beachte aber, dass die Gebühren deines Brokers nicht in der TER berücksichtigt sind.

  • TCO: TCO ist die Abkürzung von „Total Cost of Ownership“. Der TCO umfasst im Gegensatz zum TER alle Kosten, die von deiner Rendite abgezogen werden. Dieser Wert wird aber meist von den Brokern nicht proaktiv angezeigt, weshalb du ihn dir meist selbst ausrechnen musst. Je nach Broker fällt der TCO sehr unterschiedlich aus. Er liegt bei ETFs aber in der Regel unter 1,5 %.

  • Tracking Differenz: Die Tracking Differenz beschreibt die Abweichung des ETFs von dem Index, welchen er nachbilden soll. Anleger streben nach einer negativen Tracking Differenz, da dies eine bessere Performance als die des eigentlichen Index bedeutet. Eine positive Tracking Differenz hingegen gibt an, dass sich der ETF schlechter geschlagen hat als sein „Vorbild“.

  • Tracking Error: Der Tracking Error, auch Nachbildungsfehler genannt, ist die prozentuale Abweichung eines ETF’s von seiner Benchmark, also der Bewertung seines Anlageerfolgs. Bei guten ETFs liegt der Tracking Error für gewöhnlich unter 1,0 %.

Wie du als Einsteiger*in in ETFs investieren kannst (in 4 Schritten)

Der Aufwand, der aufgebracht werden muss, um ein Investment in ETFs vorzunehmen, ist überschaubar.

Folgend wird dir das Vorgehen übersichtlich und Schritt für Schritt erläutert:

Schritt 1: Günstiges Depot für Einmalanlagen und Sparpläne in ETFs eröffnen

Um ETFs zu kaufen, brauchst du ein Depot. Falls du noch keines hast, findest du im Internet oder bei deiner lokalen Bankfiliale passende Angebote. 

Online Banken bieten oft günstigere Konditionen an, als die traditionellen Geschäftsbanken. 

Gerade bei Online Banken solltest du aber zuerst sicherstellen, dass du einen seriösen Anbieter gefunden hast, bevor du Einzahlungen vornimmst.

Falls du noch auf der Suche bist, hilft dir vielleicht unser Artikel "Wie du das beste Depot für dich findest"

Schritt 2: Anlagevolumen und Sparplan bestimmen

Überlege dir gut, welchen Betrag du bereit bist zu investieren.

Sei dir bewusst, dass deine Anlage auch mal im Minus sein wird und dass vor einem sofortigen Verkauf in diesen Fällen oft abzuraten ist.

Wenn du dir im Klaren über deine Finanzen bist, empfiehlt es sich auf jeden Fall, einen Sparplan zu erstellen und per Dauerauftrag jeden Monat einen gewissen Betrag in deine Fonds einzuzahlen.

Mit einer regelmäßigen Einzahlung machst du dich weniger vom Kurs abhängig, da du die Fondswerte im Gesamtbild zu einem durchschnittswert einkaufst. 

Sprich, Einkäufe zu überdurchschnittlich hohen Preisen werden mit Einkäufen während Monaten mit unterdurchschnittlichem Preisniveau ausgeglichen.

Schritt 3: ETF Strategie und passende Indices auswählen

Eine gewisse Interessengrundlage in den Bereichen internationalen Beziehungen, Welthandel und globaler Finanzpolitik machen sich beim Kauf von ETFs positiv bemerkbar, sind aber nicht unbedingt notwendig.

Investiere in Regionen und Branchen, welche gute Zukunftsaussichten haben.

Investitionen in gewissen Bereichen hören sich vielleicht spannend an, was jedoch nicht mit einer guten Rendite gleichgesetzt werden darf. 

Es gibt übrigens auch ETFs wie der iShares Core MSCI World, die alle großen Bereiche der gesamten Weltwirtschaft nachstellen.

Schritt 4: Auswahl von günstiger ETFs

Es ist ratsam, jeden ETF gründlich zu durchleuchten, bevor du ihn erwirbst. 

Auch wenn es kein Garant für eine anständige Rendite in der Zukunft sein muss, kann es sich trotzdem lohnen, die bisherige Performance des ETFs zu studieren.

Rechne dir zum Schluss die Total Cost of Ownership aus und stelle sie mit der TCO anderer Anbieter gegenüber.

Auf Blogs, Foren und auf den Webseiten der Anbieter findest du tonnenweise hilfreiche Informationen. 

Fazit zu ETFs für Einsteiger

Auch wenn bereits ein wahrer Trend um sie entstanden ist, wird der echte Wert der ETFs leider immer noch oft verkannt.

Einsteiger lassen sich vor der scheinbar komplizierten Natur des ETFs abschrecken und nehmen damit gewinnbringende Chancen nicht wahr.

Gerade aber aufgrund ihres einfachen, praktischen und risikoärmeren Charakters eignen sich ETFs besonders für Einsteiger.

Weder ein ganzes BWL-Studium noch eine überdurchschnittlich lange Einarbeitungszeit sind nötig, um sich sichere Schrittes in die Thematik der ETFs vorzuwagen.

Sind die wichtigsten Begriffe und Kennzahlen vertraut, kann der Gang in Richtung erste ETF Investition bereits in Angriff genommen werden.

Mit unserer Schritt-für-Schritt Anleitung findest du einen guten Einstieg.

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Zuletzt aktualisiert am 23 Juni 2022