5 Gründe warum so viele Menschen Angst vor Aktien haben

Zuletzt aktualisiert am 07 Februar 2021 von Reza

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Angst vor Aktien - 5 Gründe

Dieses Thema wird immer und immer wieder von den Medien aufgegriffen.

Viele Anleger, insbesondere deutsche Anleger, haben nichts von steigenden Aktienbörsen.

In diesem Zusammenhang werden immer wieder verschiedene Erklärungsversuche genannt, weshalb sich gerade deutsche Anleger vor Aktien besonders fürchten.

Wir schauen uns die 5 häufigste genannten Gründe gemeinsam mit Dir an. 

1. Kulturelle Prägung

Risikoaverse (Gegenteil von risikofreudig) Anleger, wie die Deutschen, legen einen großen Wert auf Sicherheit.

Sie möchten wissen, was sie haben und was sie bekommen.

Das gilt generell nicht nur für Aktien und lässt sich auch auf weitere Bereiche des Lebens übertragen.

Eventuell hast Du auch gerade das Bild vom Ehepaar im Kopf, dass schon seit 30 Jahren auf den gleichen Campingplatz fährt und auf dem gleichen Platz steht?

Eine Katastrophe würde eintreten, sollte der Platz einmal vergeben sein, daher wird immer bereits für die nächsten 3, 5 oder 10 Jahre reserviert.

Aber ist das wirklich so? Oder ist das nur ein Vorurteil?

Hast Du schon mal von dem Professor Geert Hofstede gehört?

Herr Professor Geert Hofstede war ein niederländischer Professor, der kulturelle Unterschiede zwischen Ländern erforscht hat.

Dabei hat Herr Professor Hofstede insgesamt sechs Dimensionen definiert.

Unter anderem auch die Dimension „Uncertainity Avoidance“.

Diese Dimension steht für die Vermeidung von Unsicherheit. Oder anders formuliert, Risiken werden vermieden, denn es ist ja nicht klar, was am Ende raus kommt.

Auf der Webseite findest Du ein Vergleichstool Compare Countries, mit dem Du verschiedene Nationen miteinander vergleichen kannst. 

Machen wir doch mal den Test und vergleichen Deutschland mit Ländern, die als besonders aktienfreundlich gelten (insbesondere die englischsprachigen Industrienationen).

6 Dimensions Hofstede Deutschland USA UK Australien

Und tatsächlich zeigt sich eindeutig, dass die Deutschen im Vergleich zu den anderen Nationen Unsicherheit nicht mögen.

Spannend ist aber auch, dass die Deutschen im Vergleich eher strategisch denken. Sie denken langfristig und wären damit eigentlich perfekte Aktienanleger.

Es kommt nur gar nicht erst dazu, da sie Aktien auf Grund ihres unsicheren Ergebnisses meiden.

Ist das also jetzt ein Grund keine Aktien zu kaufen?

Wir denken, vielmehr sollten sich die Deutschen über ihre kulturelle Prägung bewusst werden und gerade daher der Anlageklasse Aktien eine Chance geben.

2. Fehlendes Grundwissen über Finanzen

Dieser Punkt ist unserer Meinung nach unstrittig. Deswegen gibt es letztendlich Enqome.

Kein anderes Thema findet in der Schule, der Lehre und im Studium so wenig Anerkennung, wie das Thema Finanzen.

Das begrenzt sich nicht nur auf das Thema Geldanlagen.

Jedes Jahr werden in Deutschland tausende Fachexperten ausgebildet, die dann in einem Angestelltendasein versauern, weil sie nicht wissen, wie sie sich vermarkten.

So spielt letztendlich alles zusammen.

Hervorragende Experten bleiben weit hinter ihrem Potential zurück, weil sie die Grundlagen der Bilanzierung, Buchhaltung und des Marketings nicht kennen.

Hinzukommen natürlich noch die fehlenden Grundlagen im Zusammenhang mit Geldanlagen.

Viele Binsenweisheiten in diesem Zusammenhang sind einfach nur komplett falsch.

Zum Beispiel, dass nur Bares Wahres ist, man über Geld nicht spricht oder sonstige Floskeln.

Auch heute noch wird auf das Thema so gut wie keinen Wert gelegt.

3. Die meisten Menschen kaufen die Vergangenheit und nicht die Zukunft

Eventuell haben Dir Deine Großeltern oder Eltern mal über ihre Erfahrungen mit der Deutschen Telekom berichtet.

Also nicht mit dem DSL-Anschluss, der zu spät kam oder sonstige Abenteuer.

Wir meinen die Telekom-Aktie, die im Rahmen der Dotcom-Blase an viele Privatanleger verkauft wurden.

Dieses Beispiel aus der Vergangenheit zeigt eindrucksvoll, dass sich viele Privatanleger oft erst der Börse nähern, wenn es viel zu spät ist.

Hatten wir 3 bis 5 Jahre Börsenrally, steigt rapide das Interesse der Privatanleger an Aktien.

Derzeit (Oktober 2020) lässt sich das zum Beispiel an dem riesigen Interesse für die sogenannten FAANG Aktien beobachten.

Zu den FAANG Aktien zählen Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google (jetzt Alphabet).

Diese Unternehmen wachsen stark und sind allerding genauso von der Gesamtwirtschaft abhängig.

Gerade Wachstumsaktien können mal eben 30% bis 50% an Wert innerhalb kürzester Zeit verlieren.

Wenn es dann so kommt, wie so oft, haben sehr viele Privatanleger viel zu teuer eingekauft und müssen dann jahrelang, eventuell sogar Jahrzehnte warten, bis sie wieder ihre Einstiegspreise sehen.

Hinzu kommt, dass dabei alle gängigen Anlageregeln vergessen werden.

Kommt es dann zu der unausweichlich schlechten Erfahrung, werden Aktien nie wieder angerührt, Schuldige gesucht und die Anlageklasse selbst als Teufelszeug mental abgelegt.

4. Hohe Erwartungen und keine Geduld

Gerade auf YouTube und anderen Social Media Plattformen tummeln sich immer mehr Börsen-Gurus, die in kürzester Zeit hohe Gewinne mit Aktien versprechen.

Glaub ihnen (bitte) nicht.

Und auch wir werden oft gefragt, ob wir nicht eben mal einen Tipp haben, um viel Geld mit Aktien zu verdienen (schnell und viel Rendite bitte…).

Auf Grund der fehlenden Finanzbildung und dem Konsum so mancher Filme (zum Beispiel die Wall Street Filme und The Wolf of Wall Street) haben manche Menschen den Eindruck, es lässt sich sehr schnell viel Geld verdienen.

Dabei übersehen sie, dass in diesen Filmen viel Geld in kurzer Zeit mit unethischen Praktiken verdient wurde, die heute einfach als illegal gelten.

Ein berühmtes Zitat von Warren Buffet, einem der erfolgreichsten Aktieninvestor aller Zeiten, lautet: „The stock market is a device for transferring money from the impatient to the patient.“

Das klingt eigentlich recht freundlich, oder?

Tatsächlich sagt er damit indirekt, dass die Geduldigen von den (dummen) ungeduldigen profitieren.

In unserem Aktien Guide gehen wir im Detail darauf ein, weshalb Aktien eine mittel- bis langfristige Anlageklasse sind.

In der Praxis hingegen lassen sich immer noch viele Menschen antreffen, die von sich behaupten in kurzer Zeit viel Geld mit Aktien verdienen zu können.

Wir halten das, mit ein paar sehr wenigen Ausnahmen, für unrealistisch und denken, dass viele Menschen dadurch verunsichert werden.

Wenn dann die ersten Aktien mit völlig falschen Erwartungen gekauft werden, dauert es nicht lange bis verschiedene Anlagefehler gemacht werden, die letztendlich auch mit der kompletten Abkehr von der Anlageklasse enden.

5. Emotionale Instabilität

Dieser Punkt ist sehr spannend und hängt auch ein wenig mit der kulturellen Prägung zusammen.

Die Behavioral Finance ist ein Teilgebiet der Wirtschaftswissenschaften.

Dabei untersucht sie, wie Menschen sich in wirtschaftlichen Situationen verhalten und zeigt schonungslos auf, welche Fehler gemacht werden.

Um diese Situationen zu kategorisieren, fasst sie das menschliche Verhalten in verschiedene Biase (Neigungen) zusammen.

Da deutsche Anleger gerne Unsicherheit vermeiden, führt das dazu, dass der Loss Aversion Bias in Kombination mit dem Action Bias sehr ausgeprägt ist.

Der Loss Aversion Bias beschreibt hierbei die menschliche Neigung, dass Verluste im Vergleich zu Gewinnen doppelt so stark emotional wahrgenommen werden.

Oder anders ausgedrückt, Verluste machen Dich wahnsinnig und lassen Dich nachts nicht schlafen.

Danach setzt dann oft der Action Bias ein. Dieser Bias beschreibt die menschliche Neigung eher etwas zu tun als abzuwarten (ungeduldig sein).

Dann tritt das typische Bild wieder ein.

Die ersten Aktien wurden gekauft, anfangs lief es noch ganz gut und plötzlich rauscht alles in die Tiefe.

Jedes Mal, wenn Du ins Depot schaust (was Du jetzt eventuell stündlich tust), schaut Dich eine dicke rote Zahl an.

Du willst die Kontrolle zurück und verkaufst alles und versprichst Dir selbst, niemals wieder Aktien zu kaufen.

Deine Aktienreise endet dann hier.

Schade, denn hättest Du unseren Guide über Geldanlagen gelesen, wärst Du Dir bewusst, was gerade passiert.

Zusammenfassung

Wie Du siehst, sind die Grenzen bei den einzelnen Hauptgründen fließend,

Wir denken, dass eine Mischung aus den 5 genannten Gründen der Hauptgrund ist, weshalb Aktien und generell riskanter Anlageklassen einen schweren Stand in Deutschland haben.