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Wie sich Geld- und Briefkurs bei Aktien unterscheiden

Verfasst von

Lucas Pietrapiana

Freelance Editor

Geprüft von Geprüft von

Reza Machdi-Ghazvini,CAIA

Finanzexperte

Wie sich Geld und Briefkurs bei Aktien unterscheiden

Der Aktienmarkt ist undurchschaubar kompliziert, ein Labyrinth an unverständlichen Formeln, Regeln und Begriffen - so meinen viele Menschen fälschlicherweise.

In Wahrheit ist es aber gar nicht so schwierig, ein fortgeschrittenes Verständnis des Aktienmarktes zu erlangen. 

In diesem Artikel erläutern wir die beiden Begriffe Geldkurs und Briefkurs sowie ihre Unterschiede genauer.

Geld- und Briefkurs sind sehr wichtig, wenn du mit Aktien handeln möchtest. Pass also gut auf!

Geld- und Briefkurs bei Aktien einfach erklärt

Geldkurs und Briefkurs einfach erklärt - Grafik

Der Geldkurs einer Aktie gibt den Preis an, zu dem Anleger bereit sind, die Aktie zu kaufen

Die Käufer bieten Geld und möchten im Gegenzug eine Aktie erhalten. Daher der Name Geldkurs. Im englischsprachigen Raum wird der Begriff “Bid“ (bieten) verwendet.

Der Briefkurs hingegen gibt den Preis an, zu dem Investoren bereit sind, die Aktie zu verkaufen

Die Verkäufer bieten ihren verbrieften Anteil an einem Unternehmen an. An der Börse ist dies eine Aktie. Im englischsprachigen Raum wird der Begriff “Ask“ (nachfragen) genutzt.

Auf einen einzelnen Verkäufer bezogen gibt der Briefkurs den Mindestpreis an, zu dem der Verkäufer bereit ist, seine Aktie zu verkaufen. 

Aus den Geld- und Briefkursen aller Marktteilnehmer ergeben sich durchschnittliche Geld- und Briefkurse, also An- und Verkaufspreise. 

Der Briefkurs bei Aktien ist immer höher als der Geldkurs

In einem funktionierendem Markt liegt der Briefkurs fast immer über dem Geldkurs, da Verkäufer möglichst viel für ihre Aktien bekommen möchten, während Käufer möglichst wenig ausgeben wollen

Es gibt sehr seltene Ausnahmen, bei denen der Geldkurs höher als der Briefkurs sein kann. Dies liegt dann aber meistens an falschen Orderausführungen des Käufers oder Verkäufers. 

Vor allem bei Aktien mit sehr geringem Handelsvolumen kann es vorkommen, dass der Käufer aus Versehen – oder aus Versäumnis, die Briefkurse anzuschauen – einen höheren Geldkurs und somit Ankaufspreis angibt, als eigentlich nötig gewesen wäre (da der Briefkurs und somit Verkaufspreis unter diesem Angebot liegt). 

Um das zu vermeiden, kannst du einfach eine Markt-Order (bei Brokern unter der Bezeichnung “Billigst/Bestens” zu finden) setzen, welche zu dem günstigsten Preis, der auf dem Markt vorhanden ist, ausgeführt wird. 

Im Gegensatz dazu gibt es u. a. Limit-Order, bei welchen du den maximalen (beim Kauf) bzw. minimalen (beim Verkauf) Preis angibst, zu welchem du bereit bist, die Aktie zu handeln.  

Wofür die Kurszusätze “G” und “B” stehen

Vor vielen Kursen findest du die Buchstaben “G” und “B”. du kannst es dir vielleicht schon denken:

  • G” steht für Geld und zeigt an, dass zum genannten Preis zwar Nachfrage seitens der Käufer vorhanden war, aber mangels Angebot kein Handel zustande kam. Es gibt also keinen Verkäufer, der zu deinem gewünschten Geldkurs verkaufen möchte. 

  • “B” steht für Brief und bedeutet, dass zum gefragten Kurs keine Nachfrage seitens der Käufer besteht. dein Briefkurs ist also wahrscheinlich zu hoch angesetzt oder es ist ein sehr illiquider Markt, bei dem es lange dauern kann, bis eine Transaktion tatsächlich zustande kommt.

Der Spread zwischen Geldkurs und Briefkurs bei Aktien

Die Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs wird auch als Spread bezeichnet und berechnet sich also so:

Briefkurs - Geldkurs = Spread bzw. Geld-Brief-Spanne (Englisch: Bid-Ask-Spread).

Doch wie hoch ist der Spread bei Aktien normalerweise?

Dies hängt sehr von der gehandelten Aktie und dem Broker, bei dem die Transaktion stattfindet, ab.

Bei sehr liquiden Aktien – solche mit einem hohen Handelsvolumen und vielen Transaktionen – beträgt der Spread meist 0,1 % bis 0,5 %. 

Der Spread der Volkswagen Vorzugsaktie liegt aktuell je nach Börse zwischen 0,2 % und 0,3 % vom Mittelwert zwischen Geld- und Briefkurs. 

Je illiquider die Aktie, desto schneller steigt der Spread.

Bei kleineren Unternehmen (zum Beispiel aus dem SDAX) kann der Spread schonmal 1 % bis 2 % betragen, bei Penny Stocks (als hochspekulativ geltende kleine Aktien unter einem Euro) sogar bis zu 5 %. 

Bei Spread von mehr als 5 % ist auf jeden Fall Vorsicht geboten. Denn du solltest wissen, dass du ca. die Hälfte des Spreads selbst bezahlen musst.

Ein Beispiel sollte das klarer machen:

Angenommen der durchschnittliche Briefkurs der VW-Aktie beträgt 200 €. Das ist der Preis, zu dem ein oder mehrere Verkäufer bereit sind, deine gewünschte Menge an Aktien zu verkaufen. 

du setzt nun aber eine Limit-Order für 195 € je Aktie. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten: 

  1. Entweder deine Order wird nicht ausgeführt, weil Geld- und Briefkurs zu stark auseinander sind.

  2. Oder – und das hängt vom Broker und den vordefinierten Order-Bedingungen von An- und Verkäufer ab – es wird sich auf den Mittelkurs (hier 197,50 €) geeinigt. 

Dies wird von einem Algorithmus automatisch gematcht, wobei hier auch andere Faktoren wie Menge der Aktien eine Rolle spielen. dein Ankaufspreis würde also 197,50 € betragen.

In der Realität liegt der Spread der VW-Aktie aber eher bei 0,40 € bis 0,50 €. 

Die Bedeutung des Spreads bei Neobrokern (Trade Republic)

Broker haben allgemein keinen direkten Einfluss auf den Spread eines Aktienkurses.

Schließlich bestimmen die Marktteilnehmer selbst, zu welchen Preisen sie kaufen und verkaufen möchten. 

Beim Neobroker "Trade Republic", zum Beispiel, heißt es dazu auf der Webseite: 

„Für die Preisstellung und damit für die Höhe des Spreads ist der Handelsplatz verantwortlich. Trade Republic hat hierauf keinen Einfluss.“

Wie du große Spreads bei Aktien einfach vermeiden kannst

Allgemein gilt:

Je höher der Spread, desto stärker gehen die Meinungen der Marktteilnehmer über den fairen Preis der Aktie auseinander. 

Das bedeutet auch, dass bei hoher Volatilität (Schwankung) Spreads meist höher sind. Schließlich schwankt der Marktpreis hin und her, was darauf hindeutet, dass sich Marktteilnehmer nicht über den fairen Preis einig sind. 

Außerdem gilt:

Je größer der Markt der Aktie (gemessen in ihrer Marktkapitalisierung), desto geringer tendenziell der Spread

Das liegt daran, dass große Unternehmen fast immer ein hohes Handelsvolumen haben, eine direkte Proportionalität zwischen diesen beiden Faktoren ist aber nicht immer vorhanden.

Manchmal können auch kleinere Unternehmen ein hohes Handelsvolumen an der Börse aufweisen – zum Beispiel, wenn es gerade in den Medien diskutiert wird und hohe Aufmerksamkeit erfährt. 

Auch zu Marktzeiten, in denen mehr Transaktionen als üblich stattfinden, sind etwas geringere Spreads zu beobachten. 

Um also hohe Spreads bei Aktien zu vermeiden, solltest du:

  • Aktien mit geringer Volatilität handeln,

  • Aktien mit hohem Handelsvolumen und meistens entsprechend großer Marktkapitalisierung handeln (verzichte also auf Penny Stocks) und

  • Aktien tagsüber und wochentags kaufen - obwohl einige Börsen auch am Samstag oder bis spät abends (22:00 Uhr) offen sind, solltest du Randzeiten vermeiden, so sparst du wahrscheinlich minimal am Spread. 

Vergiss dabei aber nicht, dass der Spread nicht das wichtigste Kriterium ist, um eine Aktie auszuwählen. Schließlich kannst du einen etwas höheren Spread schnell durch Kursgewinne und Dividenden wett machen. 

Fazit

Du weißt nun, wie sich Geldkurs und Briefkurs bei Aktien unterschieden und wie die beiden Werte entstehen.

Wir haben dir gezeigt, wie der Spread berechnet wird und wie du hohe Spreads bei Aktien vermeiden kannst, damit du das bestmögliche Ergebnis für dich erzielen kannst.

Wenn du mehr zum Thema Aktien lernen möchtest, empfehle ich dir einen Blick auf all die anderen Artikel, die du im Enqome Blog findest sowie unseren Aktien Ratgeber.

So kommst du deinen finanziellen Zielen Schritt für Schritt, Artikel für Artikel näher!

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Zuletzt aktualisiert am 23 Juni 2022